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Von , am Dienstag, 1. Oktober 2019, in Lesebefehle, Politik.

Deutsches Chinabild, deutsche BDS-Debatte – sind schon alle Rolladen runter?
mit Update
Ein Nachteil des von Deutschland glücklicherweise verlorenen 1. Weltkrieges ist, dass die deutschen Kolonien an andere Kolonialisten fielen, und daraus folgend fast nirgends auf der Welt mehr Deutsch gesprochen wird. Jedenfalls ist es keine bedeutende Sprache in globalen politischen Diskursen. Wenn dann noch die Bevölkerung so eines Zwergstaates völlig unzureichend in anderen Sprachen ausgebildet wurde, “gelingt” es sehr weitgehend sie doof zu halten. Mich eingeschlossen bekommt sie von der Welt da draussen nur das mit, was Regierung und ihr nahestehende Medien durchlassen – sie sind “Gatekeeper” und nur durch Sprachenlernen zu entmachten.
Ich selbst habe leider nur Englisch gelernt, und selbst das ist beim Lesen längerer Texte ein Kampf mit dem inneren Schweinehund. Das ist eins meiner Motive, im Extradienst auf horizonterweiternde Texte hinzuweisen. Heute habe ich zwei weitere Beispiele, die mir vor Augen führen, wie manche deutsche Debatte wirkt, wie mit Brettern zugenagelt.
Frank Sieren/FR, der in den letzten Jahren überwiegend im Handelsblatt publiziert hat, das ich wg. seiner Paywallpolitik kaum besuche, öffnet den deutschen Blick auf China, für ihn eine schöne Publikationsnische. Was Sieren beschreibt, haben die USA als Gefahr für ihre Weltmachtrolle längst bemerkt und sind – sichtbar an Trumps Handelskrieg – darob in Panik verfallen. Selbst hinter dieser Wahrnehmung liegen deutsche Regierung und die meisten deutschen Medien noch zurück.
Update nachmittags: lesen Sie zu Deutschland und China auch diese Kritik an der aktuellen Hongkong-Politik der Bundesregierung (dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv) und den Aufsatz von Ulrich Menzel in den Blättern “Welt im Übergang – Europa in der Krise”. Menzel spielt mehrere Szenarien und Strategiealternativen für eine deutsche/EU-Chinapolitik durch.

BDS-Streit in Deutschland – nur noch binäres Denken

Stefan Reinecke/taz erklärt an deutschen – das Diskurs zu nennen wäre wohl zuviel der Ehre – Konfrontationen über die BDS-Bewegung, dass deutsche Debatten, selbst beim Bearbeiten des grössten Menscheitsverbrechens der deutschen Geschichte, sich nicht genieren, fast ausschliesslich kenntnisfrei und taktisch 100%-selbstbezogen zu agieren, und zwar in der Regel beide Seiten in einer von schwachsinnig-binärem Denken dominierten, und mit viel eliminatorischem Gestus garnierten Auseinandersetzung.

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