Enke

Von , am Montag, 11. November 2019, in Fußball, Medien, Politik.

Nein, sein Tod war nicht “umsonst”, dennoch eine (von leider vielen) Katastrophe.
Respekt für seine Witwe Teresa, die seitdem emsig Öffentlichkeitsarbeit für Depressionskranke macht. Und das war der “gute Zweck”. Seit Enkes Tod begegneten mir überraschend zahlreiche, zum Teil persönlich unbekannte, Menschen, die es wagten, öffentlich über ihre eigene Erkrankung zu sprechen. Ein erster Schritt, vielleicht nicht zur Heilung, aber in erster Linie zu einem langen Emanzipationsprozess, der vielen Kranken und anders Ausgegrenzten zu wünschen ist.
Was Enke dagegen nicht “bewirkt” hat, es auch nicht konnte, war ein Systemwandel, wenn schon nicht in der Gesellschaft, dann wenigstens in seiner Branche. Nein, nichts davon ist – über symbolschwere Schweigeminütchen hinaus – passiert, im Gegenteil: es steigert sich ins Unermessliche, blindwütig fast, im Profisport, auf engste verbunden mit dem Mediensystemen um ihn herum.
Ich weiss (über Claudia Roth) z.B. vom ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, dass er ehrlich schockiert, und subjektiv-individuell guten Willens war, dass sich was ändern müsse. Eine entsprechend bewegende Rede war ihm bei der damaligen Trauerfeier “gelungen”, weil sie echt war. Doch mit dem ideologischen Besteck eines konservativen CDUlers kommt mann in der Sache nicht weit.
Depressionen sind eine individuelle Erkrankung, die ebenso individuell behandelt werden muss. Die grössere Krankheit ist aber das System, in dem sich Depressionen so ausweiten, wie sie es gegenwärtig tun. Hört Ewald Lienen. Er hat Recht. Im DLF-Sport spricht, während ich dies niederschreibe, Jessica Sturmberg von der “Abteilung Attacke”, die beim Fussballkonzern im süddeutschen Raum “wiedereröffnet” werden solle … Keine weiteren Fragen.

Ein Kommentar zu “Enke

  1. Heiner Jüttner

    Ich habe von Anfang an die Berichterstattung über Enkes Tod sehr skeptisch gesehen. Wer nicht genau differenziert, konnte darin Verständnis oder gar Zustimmung zu seinem Freitod erkennen. Wir dürfen auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass Selbstmord ein geeignetes oder zulässiges Mittel ist, um Problemsituationen zu entgehen. Es ist doch bekannt, dass gerade Jugendliche manchmal zu der Ansicht kommen, das Leben sei nicht mehr lebenswert.

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