Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Enke

Nein, sein Tod war nicht “umsonst”, dennoch eine (von leider vielen) Katastrophe.
Respekt fĂŒr seine Witwe Teresa, die seitdem emsig Öffentlichkeitsarbeit fĂŒr Depressionskranke macht. Und das war der “gute Zweck”. Seit Enkes Tod begegneten mir ĂŒberraschend zahlreiche, zum Teil persönlich unbekannte, Menschen, die es wagten, öffentlich ĂŒber ihre eigene Erkrankung zu sprechen. Ein erster Schritt, vielleicht nicht zur Heilung, aber in erster Linie zu einem langen Emanzipationsprozess, der vielen Kranken und anders Ausgegrenzten zu wĂŒnschen ist.
Was Enke dagegen nicht “bewirkt” hat, es auch nicht konnte, war ein Systemwandel, wenn schon nicht in der Gesellschaft, dann wenigstens in seiner Branche. Nein, nichts davon ist – ĂŒber symbolschwere SchweigeminĂŒtchen hinaus – passiert, im Gegenteil: es steigert sich ins Unermessliche, blindwĂŒtig fast, im Profisport, auf engste verbunden mit dem Mediensystemen um ihn herum.
Ich weiss (ĂŒber Claudia Roth) z.B. vom ehemaligen DFB-PrĂ€sidenten Theo Zwanziger, dass er ehrlich schockiert, und subjektiv-individuell guten Willens war, dass sich was Ă€ndern mĂŒsse. Eine entsprechend bewegende Rede war ihm bei der damaligen Trauerfeier “gelungen”, weil sie echt war. Doch mit dem ideologischen Besteck eines konservativen CDUlers kommt mann in der Sache nicht weit.
Depressionen sind eine individuelle Erkrankung, die ebenso individuell behandelt werden muss. Die grössere Krankheit ist aber das System, in dem sich Depressionen so ausweiten, wie sie es gegenwĂ€rtig tun. Hört Ewald Lienen. Er hat Recht. Im DLF-Sport spricht, wĂ€hrend ich dies niederschreibe, Jessica Sturmberg von der “Abteilung Attacke”, die beim Fussballkonzern im sĂŒddeutschen Raum “wiedereröffnet” werden solle … Keine weiteren Fragen.

1 Kommentar

  1. Heiner JĂŒttner

    Ich habe von Anfang an die Berichterstattung ĂŒber Enkes Tod sehr skeptisch gesehen. Wer nicht genau differenziert, konnte darin VerstĂ€ndnis oder gar Zustimmung zu seinem Freitod erkennen. Wir dĂŒrfen auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass Selbstmord ein geeignetes oder zulĂ€ssiges Mittel ist, um Problemsituationen zu entgehen. Es ist doch bekannt, dass gerade Jugendliche manchmal zu der Ansicht kommen, das Leben sei nicht mehr lebenswert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorĂ©nHoch ↑