Nachtrag zur Enke-Erinnerung

Von , am Dienstag, 12. November 2019, in Fußball, Medien, Politik.

Der Kommentar von Heiner Jüttner machte mir deutlich, dass das Thema bedeutender ist. Darum noch einige ergänzende Hinweise.
Robert Enke stand nur eine Bundesligasaison im Tor von Borussia Mönchengladbach. Alle wussten, dass er ein herausragendes Talent war, eingewandert aus Jena. Ausgerechnet in der Abstiegssaison 98/99 in dieses Fegefeuer geworfen zu werden, 78 Gegentore im ersten Profijahr, das kann kein guter Einstieg gewesen sein. Enke war dann weg, zu gut für die 2. Liga. In den folgenden zwei Zweitligajahren stellte sich noch mal der damalige Senior Uwe Kamps ins Tor, bevor er dann bis heute zum Torwarttrainer avancierte. Was er in diesen Jahren beruflich erlebte, muss sehr prägend gewesen sein. Kamps hält Schritt mit der Verwissenschaftlichung der Ausbildung und des Trainings, und mit dem immer härter werdenden Geschäft. Durch seine Schule ging nicht nur Marc-André ter Stegen, der derzeit beste deutsche Torhüter im besten Verein der Welt, bei dem sich Jahre zuvor Robert Enke nicht durchsetzen konnte. In Kamps’ Borussia-Schule kam auch Yann Sommer, der nun unvermeidlicherweise von überregionalen Medien, und zahlreichen frei in der Welt herumlaufenden Geldsäcken entdeckt wird. Ich nehme an, er wird am Ende der Saison verkauft. Dann kann der Verein noch eine fette Ablösesumme kassieren (Vertrag bis ’21).
Allein diese Historie zeigt schon: das Business ging weiter. Beteiligte Individuen ziehen individuelle Schlüsse aus dem Erleben von Triumphen und Tragödien. Das System bleibt, inkl. dem eingebauten (medien-)ökonomischen Leistungs-Wachstumswahnsinn, der für die Individuen bedeutet: nichts bleibt – der Druck wächst.
Es gibt Gegenkräfte, wie sie u.a. Teresa Enke mit ihrer Stiftung zu organisieren und zu propagieren versucht. Das ist gut, kann in Einzelfällen eine wertvolle Hilfe sein. Darum lesen Sie die ausführlichere Darstellung von Jan Christian Müller/FR.
Am System des immer irrer überdrehenden Sportkapitalismus ändert das leider (noch) nichts. Mitten im Orkan eine junge Frau aus Königswinter, deren konzernabhängiges Management offensichtlich jedem Überblick verloren hat, und ungestört von der Wirklichkeit weiter mutwillig junge Menschen missbraucht und bei fehlender Leistung wegwirft.
Sportfunktionär*inn*e*n schützen gerne entschuldigend vor, “der Sport” könne “nicht die gesamtgesellschaftlichen Probleme lösen”. Da haben sie Recht. Diese Probleme muss die Gesellschaft lösen. Sie existieren nicht nur im Sport, aus dem sie uns von zahlreichen mitprofitierenden Medien vor Augen geführt werden. Es ist nicht nur das Klima, das mit der vorherrschenden Lebens- und Wirtschaftsweise ruiniert wird. Sie herrscht auch im Sport. Seine Akteur*inn*e*n, Aktive und Funktionär*inn*e*n, müssen also mitmachen bei der Bekämpfung.

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