Russland / China / Libyen / Wundersame Bahn XLIV: Speisewagen
Oft frage ich mich: halten Auslandskorrespondent*inn*en mich als Publikum für zu blöd? Dass ich “zu viele” Details und Systemstrukturen sowieso nicht verstehen kann? Oder sind sie es selbst? Zu blöd? Oder zu belastet? Oder beides? Die gestern berichteten politischen Veränderungen in Russland: ging es nur um Wladimir Putin und seinen Machterhalt (ohne Personalisierung geht im deutschen Journalismus gar nichts!)? Oder ging es doch auch irgendwie, vielleicht so nebenbei, auch um das Land und seine Leute? Und interessiert das in Deutschland überhaupt irgendjemanden? Tja, zu letzter Frage würde ich doch gerne, ganz bescheiden und zurückhaltend, mal versuchen aufzuzeigen: hier mich! Und siehe da, es geht sogar, darauf eine leicht verständliche Antwort zu schreiben: Reinhard Lauterbach/Junge Welt kanns doch auch.

China

In allen deutschen Medien erschien eine Darstellung des “World Report 2020” der US-amerikanischen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Obwohl es sich, wie der Name schon sagt, um einen “Welt-Bericht” handelt, schrumpfte die Welt in der deutschen Berichterstattung auf China zusammen. War das vernagelt? Oder schon prophetisch? Bulgan Molor-Erdene, ein Neuzugang bei telepolis, der sich seit einiger Zeit als Verstärkung erweist, bricht diese Verengung auf. Und weist darauf hin, dass dieser Spin von der HRW-Führung mglw. erwünscht war, weil sie im Vorwort so angesteuert wurde – Journalist*inn*en lesen keine 650 Seiten, sondern nur Vor- oder Nachworte, Fazit- oder Forderungen-Kapitel, oder sofern vorhanden Zusammenfassungen – oder nur eins von alledem.
Alle PR-Arbeiter*innen wissen das.

Libyen

Ich gebe zu, bei Libyen wirds komplizierter. Weil die politischen Interessenlagen so kompliziert sind. Und selbst ein echter Bundesaussenminister Probleme hat, sie zu durchschauen. Dann ist mal ein längerer Text erforderlich, um es zu erklären. Auch hierfür, gibt es Journalist*inn*en, die es können: Bernhard Schmid/Jungle World z.B.

Wundersame Bahn XLIV: Speisewagen

Warum kriegen sie es in Deutschland nicht hin? Mehdorn wollte sie ganz abschaffen, was damals zum Glück durch eine Unterschriftenkampagne, u.a. von Slowfood, verhindert wurde. Meine schönste und unvergesslichste Bahnreise war eine Tagesfahrt über den Gotthard (die alte Strecke!) im italienischen Speisewagen. Es gab kein a la carte, sondern ein Mittagsmenü, für das Reservierung erforderlich war. Und dann wurde gegessen, was frisch zubereitet auf den Tisch kam. Links und rechts nur Fensterfront, und dahinter Landschaft, Landschaft, Landschaft. Dazu “musste” ich mir ein Fläschchen Barolo bestellen. So stelle ich mir Reisen vor, dieses Erlebnis datierte in den 90er Jahren.
Wie es heute in den Speisewagen zugeht, dazu hat Christoph Jehle/telepolis die logistischen und unternehmerischen Hintergründe recherchiert und zusammengetragen. Ich hatte mal eine andere – völlig unrealistische – Fantasie: jeden Speisewagen einzeln an ein inhabergeführtes Gastronomieunternehmen verpachten, die dann im Fahrplan benannt werden, so dass der Fahrgast auswählen kann, wo er einkehren mag. Franscheiss müsste natürlich ausgeschlossen werden. Wird mann doch wohl noch träumen dürfen …