Krieg der Verleger

Von , am Dienstag, 18. Februar 2020, in Medien.

Mit der Nachrichtenagentur TASS bin ich quasi politisch aufgewachsen. Se war das Sprachrohr der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), also was hier das Bundespresse- und Informationsamt der Bundesregierung war. Die besten unserer Journalist*inn*en nutzten und zitierten sie, um uns zu erklären, was in diesem uns fremden Land vorging. Ich verrate Ihnen kein Geheimnis: sie machten das unter wesentlich schwierigeren Bedingungen um einiges besser und qualifizierter, als es uns heute von deutschen Korrespondent*inn*en aus Russland geboten wird.
Einen Grund hat mir die geschätzte Medienjournalistin Ulrike Simon jetzt klargemacht. Heute ist es zwar nicht von staatswegen verboten, aber doch ein Grund zu publizistischer Ausgrenzung, die Nachrichtenagentur noch als Quelle zu benutzen. Was es dadurch zu lesen gibt, könnte unser aller Freiheit gefährden. Meint jedenfalls eine gefühlte Mehrheit in deutschen Redaktionen. Denn sie wollen die alte Blockkonfrontation wiederhaben. Politisch ist sie durch Trump, Nato, EU und Bundesregierung weitgehend wiederhergestellt. Und es ist zwar formal erlaubt, gehört sich aber imgrunde nicht, mit eigenen Medien mutwillig dagegen zu verstossen. So jedenfalls wirkt Frau Simons Intervention auf mich. Warum so aggressiv?
Es könnte dann doch an profanen Interessen liegen. Frau Simon hat schon in vielen Redaktionen und Verlagen gearbeitet. Professionell, wie sie ist, hat sie die alten Verbindungen zu ihren neuen Arbeitsplätzen mitgenommen, um sie dort weiter zu nutzen. Das habe ich auch immer so gemacht. Es verbessert den eigenen Informationsstand und letztendlich auch die Arbeit, die dabei herauskommt. All die alten Arbeitgeber*innen von Frau Simon blicken voller Misstrauen auf das, was die Eheleute Friedrich da im Berliner Verlag vorhaben. Ich auch.
Aus der Perspektive derer, die dort arbeiten, ist ein etwas anderes Bild zu sehen. Schlimmer, als sie es vor den Friedrichs hatten, nämlich mit DuMont, kann es nicht mehr werden. DuMont, wo auch Frau Simons Chef Uwe Vorkötter mal leitender Angestellter war, hatte in Berlin alle rausgeschmissen, den Laden dichtgemacht, und dann “durften” sich alle in einer Neugründung bewerben, zu Bedingungen, die … richtig geraten: bedeutend verschlechtert waren. Publizistisch hatte der alte Verlag keine Idee mehr, wie derzeit die meisten deutschen Zeitungsverlagskonzerne.
Die Friedrichs haben augenscheinlich Ideen, die Frau Simons, klug wie sie ist, im Blick hat. Und nicht wenige davon mögen abstrus sein. Der eigentliche Grund des Misstrauens ist aber, dass sie kein integrierter Teil der Absprachekartelle im Bundesverband deutscher Zeitungsverleger, sondern unabhängig sind. Nicht nur im Denken, sondern sogar finanziell. Das ist nach Jahrzehnten Gewohnheit des patriarchalen (oder eingeheirateten) Milliardär*inn*en-Daseins als Medienherrscher*in, mit abgesprochenen und abgegrenzten Herrschaftsrevieren, zutiefst beunruhigend.
Da kommt dann nämlich sowas dabei heraus: Kai-Hinrich Renner, schon in ungefähr so vielen Häusern tätig gewesen wie Frau Simon, schreibt, jetzt ohne Bezahlschranke, so dass es alle mitkriegen, wie der Springer-Konzern von seinen US-Investoren auseinander genommen wird, mit einem Beruhigungssessel für den Nordkorea-Experten Mathias Döpfner. Ja, wo sind wir denn gelandet, das über sowas jetzt in der Öffentlichkeit spekuliert werden darf? So viel Wissen kann die ganze Republik beunruhigen und destabilisieren (vor allem zunächst das Kanzleramt und die Regierungspartei CDU). Steckt also wieder der Russe dahinter?

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