Vom Fussballbusiness lernen, heisst die gesellschaftlichen Macht- und Besusstseinsverhältnisse verstehen. Frédéric Valin/taz hat sich dieser Aufgabe gestellt. Den Menschen, die in den jüngsten Schönwettertagen versuchten, die Frühlingsluft draussen zu geniessen, wurde allgemein vorgeworfen, “den Schuss nicht gehört” zu haben. Doch wie ist das bei dieser Elite zu bezeichnen? Und dabei handelt es sich nicht um einen einzelnen DFL-Geschäftsführer, sondern um eine milliardenschwere Businessstruktur, an der u.a. fast alle in Deutschland operierenden Medienkonglomerate beteiligt sind. Auch für sie wird es nicht gut ausgehen.
Sie geben ein schlechtes Beispiel. Nicht alle haben Villa und Garten zuhause, mit Sandkästen und Schaukel, in denen das eigene Kind (so wie ich es z.B. konnte) stundenlang zufrieden alleine spielen kann, und die Eltern die Arbeitsfreiheit im Liegestuhl bei guten Speisen und Getränken geniessen. Es soll nicht wenige Menschen geben, die seit Monaten und Jahren keine bezahlbare Wohnung für ihre Familie finden. Die jetzt aufeinanderhocken und sich gegenseitig auf den Keks gehen. Die raus müssen, um das zu überleben. Wer begeht denn schon ausserhalb des Ausnahmezustands die meisten Morde? Die männlichen Haushaltsvorstände. Die eigene Wohnung ist sowohl nach der Kriminal- als auch der Unfallstatistik der gefährlichste Ort. Dass diese Menschen in der aktuellen Krisenberichterstattung kaum zu Wort und vorkommen, mag der Vorsorge-PR dienen – einem demokratischen Diskurs dagegen wenig. Die Warnung des Ärztekammerpräsidenten ist berechtigt.
Lesen Sie ergänzend dazu diesen sachlichen SZ-Überblick zur kontroversen Debatte um “Herdenimmunität”. Er deutet an, was diskutiert werden wird (und muss), wenn Ausgangssperren immer weniger durchzuhalten sein werden (ob nun in 4 Wochen oder 4 Monaten), das Virus aber noch nicht weg ist. Das kann nämlich ein Jahr oder länger dauern. Kommunalfunktionär*inn*e*n warnen jetzt schon davor, weil sie das Personal zur “Durchsetzung” überhaupt nicht haben – ein schönes Einfallstor für einen weiteren verfassungswidrigen Inlandseinsatz der Bundeswehr? Oder läuft es am Ende auf Altersdiskriminierung hinaus – Isolierung von Ü60/Ü65? Im überalterten Deutschland und bei der grossen Wahlbeteiligung gerade dieser Gruppe ist auch das politisch kaum durchhaltbar.