Beueler-Extradienst

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Frauen im Ausnahmezustand

Spontan gefragt und geantwortet: kennen Sie eine Virologin mit Namen? Ach, komisch ne? Warum nicht? Die Antwort finden Sie bei Annika Joeres (einstige Ruhrbarone-Kollegin, heute in Frankreich lebend) und Susanne Götze/uebermedien. Ich bin versucht zu lästern, dass Ärztinnen sich halt mehr Zeit für ihre Patient*inn*en nehmen, und weniger zum sich vor Kameras setzen oder zum podcasten haben. Andererseits: Ärztinnen und Ärzte haben jetzt überwiegend (zu) viel Zeit. Krankenhäuser melden Kurzarbeit an. Eine Freundin bekam gestern einen Termin für eine Darmspiegelung – in der nächsten Woche! Bei meiner letzten war es eine Frist von einem halben Jahr. Wenn Sie also in Ihrem Körper Probleme haben, die medizinisch repariert werden müssen: gehen Sie jetzt in die Werkstatt! Warten Sie nicht, bis der Ausnahmezustand vorbei ist! Selbst Ihr*e Zahnärztin/Zahnarzt würde sich sehr freuen, Sie empfangen zu dürfen ;-)

Ellen Weber 90

Extradienst-Gastautor Gert Samuel wird sich bei dieser Zwischenüberschrift sehr erschrecken. Die Kommunistin Ellen Weber wird 90. Die auch nicht mehr ganz jungen emeritierten Professoren Georg Fülberth und Frank Deppe widmen ihr und ihren Generationsgenossen eine gruppenbiografische Würdigung in der Jungen Welt (dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv), informativ, lesenswert, und recht höflich. Ich selbst habe Ellen Weber als Bündnispartnerin in der Friedensbewegung gekannt. Persönlich aneinandergeraten sind wir nicht. Das erlitten dafür zahlreiche engagierte Genoss*inn*en, als damals sog. “Erneuerer*innen”, mit denen Fülberth und Deppe in ihrem Text merkwürdig abfällig und unsouverän umgehen.
Was ich aus ihrem dennoch informativen Text als Erkenntnis mitnehme, ist, dass das grausame Schicksal, in Zeiten von Faschismus und Krieg aufwachsen zu müssen, alle Menschen auf unterschiedlichste Weise traumatisiert und verhärtet, die Guten wie die Bösen. Ein Element dieser Verhärtung ist die Schwerbehinderung in der menschlichen Kommunikation. Diese Schwerbehinderung ist es, die jetzt in der Distanzierungsmanie der Viruskrise auf neuen Wegen wieder aufzuleben droht, wenn dem nicht zeitig entgegengesteuert wird. Die Forschungsprojekte zu diesem Problem müssten jetzt schon laufen, Strategien und Therapien wären so wichtig, wie ein Impfstoff gegen das Virus.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

Ein Kommentar

  1. Roland Appel

    Doch Prof. Dr. Marylyn Addo – ist eine der ersten geweswn, die an einem Impfstoff forschen, kam im Februar/März ein paarmal in der Tagesschau, ist aber wohl nicht so publicitygeil wie ihre weissen männlichen Kollegen. https://de.wikipedia.org/wiki/Marylyn_Addo

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