Ich habe sie heute gesucht und gefunden, etwa 50 rumänische Mitarbeiter des Bornheimer Spargelhofs Ritter. Im Bornheimer Norden liegt die Herderstraße – vorwiegend Sozialwohnungen arme Gegend, direkt an der Bundesbahn. Aber weiter nach Nordwest, jenseits der Bahn und zwischen der und dem alten Friedhof stehen die Containerunterkünfte von Spargelhof Ritter. Spargel und Erdbeeren, gezogen in Feldern mit Erdwärme aus einem Blockheizkraftwerk – vorbildlich Öko. Auch die Wanderarbeiter sollen es bei Ritter in den letzten Jahren immer gut gehabt haben, heisst es. Mit Gelenkbussen morgens aufs Feld, definierte Mittagspause, wieder zurück, und abends nochmal. Container, aber Mindestlohn und nur 1-2 Menschen pro Zimmer – so der “Bonner Generalanzeiger”.

Mindestabstände?  Man traf sie oft in der Nähe vom Schwimmbad und im “Netto” nach 18.00 Uhr. Doch Ritter musste, nachdem die Erntearbeiter zunächst nicht einreisen durften, und dann per Flugzeug hergeholt werden mussten, Insolvenz anmelden. Viel zu wenige Mitarbeiter kamen viel zu spät. Nun ist der Insolvenzverwalter am Zug, und der zahlte als erstes mal keine Löhne aus. Und versuchte, so war zu hören, auch noch die Flugkosten bei ihnen einzutreiben. Kein Lufthansa-Rückholdienst mit Außenminister Maas. Die FeldarbeiterInnen traten in den Streik und verlangen dem Vernehmen nach Geld für den Heimflug. Denn wenn sie hier nicht ein halbes Jahresgehalt verdienen können, kostet der Aufenthalt Geld, das sie nicht haben – das diktiert das Lohn- und Leistungsgefälle in der EU. Und Anrecht auf Sozialleistungen haben sie auch nicht. Für die Rumän*inn*en ist dieser Verlauf eine Katastrophe. Für mich und viele anderen Bornheimer*innen, war es ein überraschendes Erwachen, wie nahe das Armutsgefälle in der EU an meinem Haus stattfindet. Etwa 900 m Luftlinie. Ich habe immer nur die beiden Gelenkbusse fahren sehen. Von Bürgerrechten oder Tariflöhnen stand da nichts drauf.