Im 3sat-Magazin nano hatte ich schon einen Beitrag ĂŒber die Schule gesehen. Allerdings fehlte die kritische Betrachtung, die Florian Rötzer/telepolis dazu liefert: ein Schulleiter in Rostock hat auf “Normalbetrieb” geschaltet, mithilfe einer Firma, die Virustests verkauft, sie der Schule aber zu Marketingzwecken schenkt. Das kann, wie Rötzer vermutet, auch zu schweren sozialen Verwerfungen und dem Einsickern von Selektionsmechanismen und -zwĂ€ngen fĂŒhren. Da wĂ€re mal wieder die Kunst des AbwĂ€gens (= Politik) gefragt. Gibt es die in Rostock?
Die “grosse” Politik hat grössere Sorgen. FĂŒr EU-Europa geht es, wie immer, um Leben und Tod. Um AbgehĂ€ngtwerden von den handelskriegerischen USA und China, oder Anschlusshalten. Um Ranflanschen oder Autonombleiben. Und intern um noch mehr deutsche Dominanz? Oder noch mehr deutsche Dominanz? Zerbricht die EU darunter? Oder ist das “den” Deutschen egal? Der letzte Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv.
Wie hat China das Virus besiegt? In einer die Fronten des Handelskrieges ĂŒberwindenden gemeinsamen Analyse haben das Isabella Weber, Autorin von â€șHow China Escaped Shock Therapyâ€č (Wie China der Schocktherapie entkam) und Assistant Professor fĂŒr Wirtschaftswissenschaften an der University of Amherst, Massachusetts, Hao Qi, Associate Professor an der WirtschaftsfakultĂ€t der Renmin-UniversitĂ€t, China, und Zhongjin Li, Assistenzprofessor fĂŒr Wirtschaftswissenschaften an der University of Missouri–Kansas City aufgeschrieben (Übersetzung: Ines Schwerdtner). Kompakt und gut verstĂ€ndlich lesbar, Kritik einschliessend, aber nicht propagandistisch ĂŒberdreht – schlicht: sehr informativ. Mein Respekt vor Jacobin.de steigt erneut.
Vor Gabor Steingart habe ich den schon verloren, als er noch beim Spiegel war. Narzissmus muss ein schlimmes Leiden sein. Sein grösstes Talent, und das ist wahrlich nicht zu verachten, ist, Superreichen unbegrenzte Mengen Geldes abzuschwatzen, um es dann mit wilden MedientĂ€nzen und BegleitlĂ€rm drumherum unter Absingen schmutziger Lieder zu verbrennen. Beim Handelsblatt hat dieses Schicksal einen Holtzbrinck getroffen. Und bei dem neuen unsinkbaren Medienschiff in Berlin scheint es Springer zu treffen – also keine Falschen, umverteilungspolitisch absolut korrekt. Damit wĂ€re der Sack Reis dann auch umgefallen. Aber Thomas KnĂŒwer muss sehr unter dem Mann gelitten haben. KnĂŒwer legt Wert darauf, dass er kein Journalist ist, sondern war. Doch als selbststĂ€ndiger Unternehmer leidet er dennoch immer noch unter einer altgewordenen, nie auskurierten Paranoia, die sich an diesem Steingart reibt, und KnĂŒwer zu sechsmonatiger Arbeit verfĂŒhrt hat. Ich habe an den Stationen meines Berufslebens – wie KnĂŒwer – nicht wenige Leute angetroffen, die mir in seltenen AlbtrĂ€umen noch erscheinen können; ich wĂŒrde aber nie auf die Idee kommen, in diesem Blog ĂŒberhaupt ihren Namen zu erwĂ€hnen. KnĂŒwers Opus habe ich nur auszugsweise gelesen, weil der Kerl Steingart mir nicht so wichtig ist. Aber ich kenne welche, die ihn immer noch ernstnehmen. Die sollten zur Strafe KnĂŒwer lesen ;-)