The Last Wave, The Killing, Das Institut, Die Lotto-Könige
Urlaub auf Balkonien? Es gibt ein paar mögliche Entertainment-ErgĂ€nzungen in der “drohenden” ereignisarmen Zeit der Sommerferien, die jetzt vor uns liegt. Gestern startete ZDFneo “The Last Wave”, ein französischer Ersatzstoff fĂŒr Strandurlaub. Matthias Hannemann/FAZ verreisst die ersten zwei Folgen. So streng bin ich nicht. Aber auch nicht so gefĂŒhllos, wie mann vielleicht als Mitarbeiter des FAZ-Postschirrmacher-Feuilletons heute sein muss. Es ist keine Spitzenware, aber nicht langweilig, viele interessante Typen von Frauen und MĂ€nnern. Wir wissen alle, wie kompliziert das im wahren Leben ist – hier wird es dramaturgisch verdichtet, und die Schauspieler*innen sehen alle viel besser aus, als wir selbst.
WĂ€hrend “The Last Wave” ein französischer Versuch ist, in der Streamingökonomie mitzuhalten, hatten die DĂ€n*inn*en schon vor vielen Jahren QualitĂ€tsstandards gesetzt, nach denen sich auch Streaming-Hollywood die Finger leckte. “The Killing”, im German-TV seinerzeit als “Kommissarin Lund” verkauft, war das Spitzenprodukt, rangiert bei mir weit vor dem ĂŒberschĂ€tzten “Borgen”, stellt nĂ€mlich die Politszene weit erbarmungsloser und kritischer aus, also weit wirklichkeitsnĂ€her als “Borgen”, das zur Identifikation mit den leidenden Politiker*inne*n und was-mit-Medien-Leuten einzuladen versuchte. Hauptdarstellerin Sofie GrĂ„bĂžl spielt mit “Sarah Lund” vielleicht die Rolle ihres Lebens: eine starke, aber nicht unverwundbare Frau, nicht zum Model, auch nicht zum Rollenmodell aufgetakelt, und gerade darum – fĂŒr mich jedenfalls – eine superattraktive Frau, als gĂ€be es sie wirklich. Arte beginnt kommende Woche mit der Wiederholung der ersten Staffel von 2007 und hĂ€lt sie immerhin ein dreiviertel Jahr in der Mediathek bereit.
Und was hat Exportvizeweltmeister Deutschland (Autos, Schweine etc.) zu bieten? Was ich hier erwĂ€hnen möchte, sind Highlights inlĂ€ndischer Produktion, im internationalen oder nur europĂ€ischen Vergleich dagegen zum fremdschĂ€men, schon wegen des kulturell eng begrenzten deutschen Horizonts. Was fĂŒr Deutsche zum Schmunzeln reicht, wĂŒrde schon einen Zwergstaat weiter niemand mehr verstehen. Aber gut: “Das Institut” ist geeignet, ĂŒber uns selbst zu Schmunzeln, eine “Oase des Scheiterns” ist ein schön gewĂ€hlter Untertitel, und das gesamte Produktionsteam bringt eine seinem Etat angemessene Leistung.
Das gilt ebenso fĂŒr die Wiederholung der “Lotto-Könige“, nach meiner Erinnerung das gefĂŒhlt letzte Mal, dass der WDR versuchte, mal was Neues auszuprobieren. So ist es dann auch geworden: ich entdecke tatsĂ€chliche Elemente meines Ruhrgebietes wieder, das Team klamaukt nicht nur rum, sondern nimmt seine Arbeit so ernst, wie sie angesichts eines WDR-Auftrages ernstzunehmen ist. FĂŒr mich liefert die Reihe ein nettes HeimatgefĂŒhl, ist kein Trash, wie das meiste, was das Dritte “meines” Landessenders sonst im Überfluss anbietet.
WĂ€hlen und entscheiden Sie selbst – jede’ Jeck siehts anders.