Deutungen der Stuttgarter Krawalle von unterschiedlicher Qualität
Dass die Nachrichtengebung aus Stuttgart im Juni ein rechtes Agendasetting der “Sicherheits”-Behörden war, war von vorneherein klar. Die in Baden-Württemberg und Stuttgart starken und einflussreich mit prominentesten Personen (Kretschmann, Kuhn) mitregierenden Grünen dem keine Alternative entgegensetzten, sondern mühselig graduelle Korrekturen an den politischen Interpretationen zu platzieren versuchten, lässt für die Zukunft Grünen Mitregierens nichts Gutes ahnen.
Darum nahm ich mit Interesse zur Kenntnis, dass es rund um das vergangene Wochenende mehrere Versuche (links-?)alternativer (?) Medien gab, den Stuttgarter Medienkrawall zu analysieren und zu entschlüsseln. Ich fange mal qualitativ unten an.
Michael Wildenhain, ein schon älterer Herr mit – ausweislich seines Wikipedia-Eintrags – Westberliner Sozialisation schlägt in seinem taz-Beitrag “Shopping on the wild side” uralte Schlachten um die Sektenverganenheit der älteren Herren bei den BaWü-.Grünen. Jaja, ist ja alles richtig. Und Konvertiten sind immer die Schlimmsten. So what?
Peter Schadt/Junge Welt, anscheinend regional etwas näher dran als ein Westberliner, lässt seine Leser*innen an signifikant mehr Faktenwissen teilhaben. Er schwächt sein Gesamtwerk leider mit naseweisen Ableitungen, wie z.B. “Diesem kann man auch nicht begegnen durch die nächste Kampagne gegen rassistische Polizeigewalt. Wer diesen Rassismus abschaffen will, muss sich nicht nur Rechenschaft ablegen über eine brutale und verkehrte Geisteshaltung, sondern über ein ganzes politökonomisches System.” Daraus schliesse ich messerscharf, dass Herr Schadt ein Weisser ist. Denn ich kenne Menschen, die nicht darauf warten wollen, bis das alle eingesehen haben.
Ohne auf den Rassismus einzugehen, nähert sich Stephan Schleim/telepolis den Stuttgarter Ereignissen unter dem Aspekt der Drogenpolitik, die von den Herrschenden in den “Sicherheits”-Behörden als “Krieg gegen die Drogen” aufgefasst wird. Dieser Krieg basiert nicht auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf Erkenntnissen, wie Machtpolitik funktioniert, auch wenn sie dabei über Leichen geht.
Wenn Sie sich nun Fragen: ist Stuttgart überhaupt eine Reise wert? Ist die Antwort: ja! Und zwar fahren Sie vom Hbf. zum Marienplatz und nehmen dort die Zahnrad-Strassenbahn zur Wielandshöhe. Grüssen Sie Vincent Klink, ein politischer Kopf über dieser Stadt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net