Es ist wohl nur Symbolwirkung im Angesicht der Kommunalwahl am 13.9. Die Stadt Bonn als Grundbesitzerin und die Katholische Kirche als Gebäudevermieterin haben sich vor Rene Benko, den verurteilten Straftäter und Immobilienspekulanten auf den Rücken gelegt. Ihnen sind die “über 100” Arbeitsplätze bei Karstadt Bonn nicht egal, wollen sie damit zeigen. Egal sind sie Benko. Und das ist entscheidend.
Alle wissen, dass das Geschäftsmodell Warenhaus nicht mehr funktioniert. Alle wissen, dass Amazon eine Schneise der Verwüstung durch Einzelhandel, Innenstädte und Stadtteile fräst. Keine der beteiligten Parteien ist bisher bereit, dem auf Bundes- und Europaebene Einhalt zu gebieten. Denn der Milliardär von Amazon ist mindestens so kriminell wie Benko – aber immerhin gegen Trump, und vermutlich mächtiger als der.
Da es keinen Zweck hat zu warten bis die Politik auf den oberen Ebenen zur Besinnung kommt, bleibt die Frage, was vernünftige Bonner Kommunalpolitik tun könnte. Es ist einfach geschrieben, aber gewiss schwer getan:
1. Den Karstadt-Beschäftigten selbst Beschäftigungsperspektiven anbieten; bei der Stadt wie bei der Katholische Kirche fehlt in vielen Bereichen Personal.
2. Stadt und Kirche sollten sich zusammensetzen und über Abriss oder Umbau des Karstadt-Gebäudes beraten, um dort was Sinnvolles hinzustellen. Keinesfalls darf die Stadt das wertvolle Grundstück weggeben. Aber sie braucht jetzt eigene Ideen – von kleinteiligerem Facheinzelhandel, über Gastronomie und Entertainment bis zu Wohnungen. Es muss die Frage erlaubt sein, warum an solchen Plänen nicht schon seit Jahren gearbeitet wurde. Denn die Einzelhandelskrise ist ja nicht erst letzte Woche um die Ecke gekommen. Am besten wäre, Benko würde sich auch vom Kaufhof zurückziehen; aber der gehört ihm wohl selbst? Wenn der Fuchs einmal im Stall ist, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden.
3. Wenn ihnen mal wieder nichts einfällt, bleibt noch der Ikea-Konzern. Der sucht nach dem – aus seiner Sicht – grandiosen Erfolg in Hamburg-Altona gegen mannigfache Proteste im Stadtteil, City-Standorte.