von Ulrich Horn
SPD-Chef Walter-Borjans, hinlänglich bekannt als Gegner des SPD-Finanzministers Scholz, lieferte gerade ein Paradebeispiel sozialdemokratischer Politikkunst ab. Als die SPD 2019 eine neue Parteispitze suchte, warf Walter-Borjans Scholz aus dem Rennen. Der Finanzminister steht nun für die Wahl 2021 als Kanzlerkandidat in Rede. Jüngst hatte er sich vor dem Finanzausschuss des Bundestages gegen den Vorwurf zu erwehren, er habe nicht nachdrücklich genug darauf gedrungen, den Skandal-Konzern Wirecard zu kontrollieren. Scholz muss einen Untersuchungsausschuss fürchten. Er könnte ihm den Weg zur Kanzlerkandidatur verbauen. SPD-Chef Walter-Borjans baut bereits. Im Interview mit dem Deutschlandfunk verteidigte er zwar den Minister. Gleichzeitig schob er ihn aber vor die Rohre der Opposition. Einem U-Ausschuss verschließe er sich nicht, gab Walter-Borjans zu verstehen, eine Einladung an die Opposition, den U-Ausschuss durchzusetzen und den Finanzminister flach zu legen. Noch ehe die Opposition schießen kann, schoss der SPD-Chef. – Wie vor den Wahlen 2013 und 2017 demontiert die SPD auch heute wieder ihr Führungspersonal. Eine zentrale Rolle in der Schlammschlacht werden wohl die beiden SPD-Chefs spielen. Als Ideengeber fallen sie aus, als Kanzlerkandidaten sind sie ungeeignet. Der Partei geben sie weder Profil noch Perspektiven. Warum hat Juso-Chef Kühnert ausgerechnet diese beiden Randfiguren zu SPD-Chefs gemacht? Der redselige Walter-Borjans hilft mit seinem Interview, das Rätsel zu lösen. Er und seine Ko-Vorsitzende Esken sind am Ende ihre Karrieren. Sie haben nichts mehr zu gewinnen und zu verlieren. Bis zur Wahl können sie ohne Rücksicht auf Verluste agieren, als Kühnerts Sensen, wie Walter-Borjans es gerade demonstriert.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.