Von GĂŒnter Bannas
Aufgalopp vor dem Superwahljahr 2021: In fĂŒnf Wochen gibt es Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen, und mit dem Ende der Schulferien beginnt jetzt die heiße Phase des Wahlkampfes. Immer schon waren Wahlen zu BĂŒrgermeistern und StadtrĂ€ten im grĂ¶ĂŸten deutschen Bundesland Vorboten politischer Entwicklungen anderswo gewesen. Und: Derzeit haben besonders viele bundespolitische Akteure dort ihre politische Heimat. Die drei Kandidaten fĂŒr den CDU-Parteivorsitz (Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen), dazu noch Laschets zweiter Mann Jens Spahn, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus und der CDU-GeneralsekretĂ€r Paul Ziemiak – alle aus NRW. Die CDU-FĂŒhrungscrew darf sich vor den anderen LandesverbĂ€nden nicht blamieren. Der SPD-Ko-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans und der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf MĂŒtzenich (beide aus Köln) stehen vor einer BewĂ€hrungsprobe. Auch FDP-Chef Christian Lindner stammt aus NRW. In Corona-Zeiten steht eine kleine Bundestagswahl an – ein Jahr vor der richtigen.

FĂŒr die CDU-Aspiranten geht es um die Chance auf eine Kanzlerkandidatur – in Konkurrenz zur CSU. Laschet hat seine Heimatstadt Aachen und auch die alte Bundeshauptstadt Bonn zu „verteidigen“, wo die GrĂŒnen bei der Europawahl im vergangenen Jahr jeweils mit Abstand stĂ€rkste Partei wurden. Walter-Borjans wiederum ist ein Geschöpf nordrhein-westfĂ€lischer SPD-Regionalpolitiker und kann es sich weniger denn je leisten, durch Abwesenheit zu glĂ€nzen. In der grĂ¶ĂŸten Stadt des Landes ist die SPD, zerstritten wie lange nicht mehr, in der Versenkung verschwunden. Stattdessen prĂ€sentierten Katrin Göring-Eckardt, die Vorsitzende der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, und Jens Spahn das grĂŒn-schwarze Wahlprogramm ihrer gemeinsamen (parteilosen) OB-Kandidatin Henriette Reker, die vor einer Wiederwahl steht. In der Landeshauptstadt DĂŒsseldorf aber unterlĂ€uft dem Stadtoberhaupt Thomas Geisel (SPD), mittlerweile schlecht beraten, eine Panne nach der anderen. Nicht zu vergessen: Schon jetzt stellen die GrĂŒnen in den LandeshauptstĂ€dten Hannover und Stuttgart den OberbĂŒrgermeister. Doch sind fĂŒr die örtlichen Parteien nicht nur die BĂŒrgermeisterwahlen von Bedeutung, sondern auch die Wahlen zu den Gemeindeparlamenten – dort, wo die Politik der Wirklichkeit am nĂ€chsten ist. Deshalb erwarten die Parteigliederungen von ihren SpitzenkrĂ€ften mehr als bloß gefĂŒhlige Sommerinterviews.
GĂŒnter Bannas ist Kolumnist des HAUPTSTADTBRIEFS. Bis MĂ€rz 2018 war er Leiter der Berliner Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus “DER HAUPTSTADTBRIEF AM SONNTAG in der Berliner Morgenpost”, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion. © DER HAUPTSTADTBRIEF