Tote Kinder in Solingen
mit Update 5.9. und 6.9.
Die Nachrichtengebung durch das Polizeipräsidium Wuppertal und die wiedergebenden Medien ist gezeichnet von “vorläufigen Erkenntnissen”, die mehr Fragen aufwerfen, vor allem an die Ermittlungsbehörden und ihre PR-Arbeit, als sie beantworten. Sie erscheinen mir als klassischer Fall für die jüngst von mir geforderten feministischen Sonderermittlungseinheiten.
Dieser Gedanke ergibt sich aus schlichtem Kopfrechnen. Die Mutter wird als 27-jährig bezeichnet. Ihr ältestes von insgesamt 6 Kindern als 11-jährig. Von den 5 toten Kindern war das älteste 8-jährig. Das bedeutet: die arme Frau war in 8 Jahren die Hälfte ihrer Lebenszeit, parallel zum Grossziehen schon geborener Kinder, schwanger. Die Frage, was die Frau sich dabei gedacht haben könnte, hat sie nach Polizeiangaben mit einem Selbstmordversuch beantwortet. Unbeantwortet und komplett unerwähnt bleibt die Frage, was sich der – “zur Tatzeit nicht anwesende” – Vater (oder die Väter?) dabei gedacht hat (bzw. haben). Hat er, bzw. haben sie, überhaupt irgendetwas dabei gedacht? Können Männer, schwängernde Männer, denken?
Es ist bekannt, sehr viele können es nicht. Daraus ergeben sich Fragen an Verwandte, Nachbarn, Kitas, Schulen, Jugendbehörden. Ich nehme an, keine*r hat was bemerkt, niemand hat was gewusst oder geahnt (eine Grossmutter nach Polizeiangaben anscheinend doch, aber zu spät). Und irgendjemand von den hier lose Aufgezählten, lügt – belügt mindestens sich selbst.
Wenn die ermittelnden Behörden solche essenziellen Fragen (noch) nicht beantworten können, was soll dann der Lockstoff “vorläufige Erkenntnisse”? Stress abhalten? Angestrengten Fleiss simulieren? Wer schützt die schwerverletzte nicht mehr leben wollende Mutter vor all den kreisenden Aasfressern, die damit ihre Klicks und Verkaufsauflagen generieren wollen? Ein weites Feld für feministische Polizei- und Justizreformen.
Update 5.9.: Die Ermittlungsbehörden in Solingen (bzw. PP Wuppertal) gaben weitere Darstellungen ihrer Ermittlungen bekannt, hier in der FAZ, hier in der SZ. Meine Befürchtung, dass die leitenden Ermittler alle Männer sind, sehe ich in diesen Berichten bestätigt. Ich hoffe nur, dass sie die Ermittlungen am Krankenbett der Mutter und mutmasslichen Täterin nicht persönlich vornehmen, sondern es dafür fachlich qualifiziertes weibliches Personal gibt. Zur Lage der Jugend- und Schulbehörden der Stadt Solingen empfehle ich, den Wikipedia-Eintrag der Stadt gründlich zu studieren. Ich fand dort vor, dass ihr bilanzielles “Eigenkapital” 0 (in Worten: NULL) und ihre Schuldenlast rund 1.000.000.000 € beträgt. Welche Folgerungen würden Sie daraus ziehen, wie fachlich und personell solche Behörden dort also ausgestattet sein könnten, um elementare Gefahren für ihre Schutzbefohlenen rechtzeitig erkennen und eingreifen zu können?
Update 6.9.: Für die sogenannte Zeitung “Bild” geht es immer noch tiefer. Kittner nannte sie “Lügenblatt”, ich rubriziere sie oben unter “Aasfresser” – wenn sie nur wenigstens die Überlebenden in Ruhe lassen würden. Anne Fromm/taz weiss, wer ausser denen, die bereits zigmillionenfach auf den Erwerb solchen Drecks verzichten, noch was dagegen tun kann.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net