Derzeit stĂŒrzen sich die meisten Medien mit Begeisterung auf die angebliche Karrieregeilheit mancher Fridays-For-Future-Aktivist*inn*en, die, in der Regel fĂŒr die GrĂŒnen, im nĂ€chsten Jahr fĂŒr den Bundestag kandidieren wollen. Hatten sie etwa erwartet, dass die jungen Leute sich von dieser SĂŒnde fernhalten wollen? NatĂŒrlich nicht, niemand hat das erwartet. WĂ€re auch schlecht, wenn es so wĂ€re. Alle anderen Parteien mĂŒssen sich eher fragen lassen, warum es niemand bei ihnen versucht.
Im Rahmen linker Besserwisserkultur hatte ich das Schlimmste befĂŒrchtet, als ich bei telepolis sah, dass sich Autor Tomasz Konicz dieses Themas angenommen hat. Ein kluger Mann, Nur seinem penetranten Determinismus, seiner apokalyptischen Systemkritik, vermag ich meistens nicht zu folgen. Heute ĂŒberrascht er mich sehr positiv. Aus der Konfliktkonstellation kapitalistischer Wachstumszwang vs. Klimakrise leitet er ab, dass auch das parlamentarische System diesem Systemgegensatz nicht mehr opportunistisch ausweichen kann. Es hat also nichts mit der Charakterfestigkeit parlamentarischer Individuen zu tun. Sie mĂŒssen sich fĂŒr eine Entwicklungsrichtung entscheiden, selbst wenn sie sich davor drĂŒcken wollen. Da könnte der gute Konicz rechthaben.
Darum kann sowohl unserem unvollkommenen Demokratiesystem, als auch allen, die an lĂ€ngerer Lebenserwartung interessiert sind, nichts Besseres passieren, als dass möglichst viele Klimaaktivist*inn*en, egal fĂŒr welche Partei, in den nĂ€chsten Bundestag gewĂ€hlt werden.