Obwohl mein Weinkonsum sich verstetigt, und damit in der Summe erhöht hat, will es mir nicht gelingen, mir die Coronakrise schönzutrinken. Weniger Luftverschmutzung, aber mehr Autoverkehr, Entschleunigung brauchte ich nicht, hatte ich mir schon selbst organisiert. Digitalisierung geniesse ich auch, aber nicht als Ersatzstoff für menschliche Sozialkontakte; das wirkt bei mir nicht. Das kapitalistische dicke Ende ist schon auf dem Weg zu uns: die Brutalisierung der Verteilungskämpfe.
Politisch-analytisch lieferte das heute morgen Stephan Lessenich. Und Susanne Schwarnowski. Lassen Sie sich nicht von ihrem “Heimat”-Gerede zu Beginn abschreckena>. Thomas Ebermann wäre sofort geflohen. Es liegt daran, dass Scharnowski dazu ein ganzes Buch geschrieben hat, und das in ihrem DLF-Essay wiederverwertet. Sie bleibt aber nicht dabei stehen, beobachtet gut. Eine der besten aktuellen Gesamtschauen der Krise.
Mein Fazit: die Viruskrise bedroht vieles, was den Menschen von – dressierten und “wilden” – Tieren unterscheidet. Wenn der Mensch sich jetzt in der Krise das Soziale und die Kultur abtrainieren lässt, u.a. durch digitale Derivate, stellt er seinen zweifellos zweifelhaften Sieg in der Evolution zur Disposition. Wie mit der Klimakrise.