Ich darf ja nicht auf diesem Blog über den 1.FC Köln schreiben – also schreibe ich über Fußball-Politik. Es gibt einen ehernen Grundsatz in der Politik: Wenn Du Differenzen z.B. als Innenminister mit Deiner Bundeskanzlerin hast, dann klär das intern. Seehofer hat Merkel stattdessen auf einem Parteitag vorgeführt. Sie war damals so etwas wie die “Vorgesetzte” von Landesfürst Seehofer. Etwas ähnliches hat Jogi Löw gerade mit seinem Vorgesetzten und Arbeitgeber, dem DFB-Präsidenten Fritz Keller gemacht. Öffentliche Bloßstellung vor der Presse, weinerliches Wehklagen wegen angeblich ungerechter Behandlung seiner Majestät Bundesjogi. In jedem mittelständischen Betrieb wäre das ein fristloser Kündigungsgrund wegen Störung des Betriebsfriedens. Im DFB wird die Hierarchie umgedreht, weil die Herren Löw und Bierhoff glauben, dass ihre Popularität und ihre Sponsoren sie schützen. Wenn sie sich da mal nicht irren.

Der exorbitant hochbezahlte Angestellte Löw. der bei der letzten WM und in den Folgespielen als Trainer derart unterirdische Nicht-Leistungen abgeliefert hat, die in jeder Kreisliga zum hochkantigen Rausschmiß des Trainers führen würden, macht einfach weiter und greift zudem seinen Arbeitgeber öffentlich an, weil der gewagt hat, Kritik zu äußern. Das ist – oh Wunder – durchgesickert irgendwer hat bestätigt, dass es an seiner Majestät Bundestrainer vielleicht die eine oder andere berechtigte vernichtende Kritik gegeben hat. Löw hat bei der WM und in den Folgejahren einfach Mist gebaut. Er hat bewährte Spieler wie Boateng und Müller – und das sage ich als Bayern-Hasser – kaltgestellt und eine unterirdische Strategie verfolgt, die zum Ausscheiden in der Vorrunde der letzten WM führte.

“Die Mannschaft” unter Löws Regie steigerte sich noch auf peinliche Niederlagen, die zuletzt in sechs Gegentoren gipfelten. Der Mann ist als Trainer eigentlich tot. Sepp Herberger würde sich im Grab ‘rumdrehen, würde er die verschwurbelten Rechtfertigungen und gestelzten Analysen Löws verfolgen müssen. A propos Herberger – der hatte 1962 – acht Jahre nach dem “Wunder von Bern” den 36-jährigen Hans Schäfer (1. FC Köln) als Kapitän aufgestellt und die Mannschaft erreichte das Viertelfinale, schied unglücklich gegen Jugoslawien aus. Herberger zog sich 1964 zurück, aber auch sein Nachfolger Helmut Schön stellte eine “altersgemischte” Mannschaft aus erfahrenen Haudegen wie Uwe Seeler, Hans Tilkowski und Helmut Haller aber auch Wolfgang Weber, Wolfgang Overath, Sepp Maier und als “Küken” einem gewissen Franz Beckenbauer auf – das Endspiel in Wembley ist allen bekannt. Es waren andere Zeiten – der Kapitalismus hatte den Sport noch nicht vollkommen instrumentalisiert.

Warum geht uns das alle an und warum ist das Politik? 

Das alles könnte politisch egal sein , würden nicht der Fußball und seine Funktionärskartelle regelmäßig versuchen, sich erfolgreich an den Geldern der öffentlich-rechtlichen Medien zu bereichern und damit, die Etats für Qualitätsjournalismus zu blockieren und die Ausübung der eigentlichen Rolle der Medien als 4. Gewalt in der Demokratie zu behindern. Das aktuelle Trauerspiel um den medienpolitischen Offenbarungseid der sachsen-anhaltinischen Koalition hängt auch mit der Rolle des Fußballs als Kostenfaktor der öffentlich-rechtlichen Medien direkt zusammen. Hinzu kommt, dass in der Corona-Krise die internationale Fußball-Funktionärsmafia mit der “Nations League” ein völlig überflüssiges, langweiliges und verzichtbares Inkassounternehmen für Mediengelder geschaffen hat, das schon ohne Corona so überflüssig war, wie ein Kropf.

Fußballfunktionär Oliver Bierhoff – ebenfalls Angestellter des DFB und diesem eigentlich rechenschaftspflichtig – beteiligt sich an der Arbeitgeberbeschimpfung Löws gegen die letzten rudimentär demokratischem Strukturen des DFB. Das bringt in aufklärerischer Weise zutage, dass der DFB schon längst keine demokratische Hülle des Fußballkapitalismus mehr ist, sondern ein mickriges Abziehbild einstiger Vereinsdemokratie als Marionette übermächtiger Funktionärsinteresssen, die in den letzten 30 Jahren den einstigen Vereinssport bis zum DFB zur Marionette kapitalistischer Spekulation im Sportsektor degradiert haben. Corona führt auch hier dazu, dass die Misere deutlich wird. Das ist zu begrüßen. Aber die teilnehmenden Zocker und Absahner scheinen noch nicht begriffen zu haben, dass in Corona-Zeiten die Geldquellen plötzlich nicht mehr in gewohntem Umfang sprudeln könnten. Niemand braucht schlechte Fußballspiele für Millionengelder. Wann emanzipieren wir uns vom Blödsinn der Fußballindustrie und schalten sie einfach ab?