Was jetzt unbemerkt “geregelt” werden kann
Fällt es Ihnen auch so schwer, (innere) Ruhe zu behalten? Nachdem Frau Merkel sich nächtelang bei der EU mit so sympathischen Figuren rumschlagen und danach endlich ins Bett begeben musste, steigt der Seehofer-Vollhorst aus seiner Eisenbahngruft. Ich glaubte schon, der Södermarkus habe ihn troubadixartig ruhiggestellt, aber Merkels Umfragewerte lassen halt keine*n Politiker*in zur Ruhe kommen. Die behaupten stattdessen es seien die Infektionszahlen. Die sind auch nicht beruhigend …. aber zu diesem Thema höre ich jetzt lieber auf, um mich wieder abzuregen.
Es gibt wichtige Dinge, die vielleicht im Schatten dieser Begebenheiten einfacher geregelt werden. Z.B. eins meiner personalen Lieblingsthemen Klaus-Dieter Fritsche. Zwischen ihm und dem Bundeskanzleramt scheint es immer noch kein Waffenstillstandsabkommen zu geben. In einer klitzekleinen Mediennische, dem DLF-Magazin, das parallel zu den TV-Lokalsendungen abends um 19.15 h quasi ungehört gesendet wird, durfte Timo Stukenberg auf ihn aufmerksam machen. Und was für ein Zufall: gerade wurde der “Detektiv” festgenommen, der “hinter dem Ibiza-Video stecken” soll, das die österreichische Rechtsregierung aus ÖVP/FPÖ stürzen liess, für deren FPÖ-Innenminister der Herr Fritsche doch so gerne arbeiten wollte (und durfte!). Meine These: Herr Fritsche im hyperaktiven Unruhestand.
Krisengewinner Wettmafia
Ob es eine gute Idee von Mr. Segevs Medienberater*inne*n war, ihn ein Interview für die FAZ geben zu lassen? Die FAZ hat es diskreterweise in ihre Paywall eingemauert, aber dennoch für (u.a. meine) Aufmerksamkeit gesorgt. Ich kannte den Herrn bisher nicht, und das war auch besser für ihn und seine Geschäfte. Denn die sind kriminell. Mr. Segev ist Boss von Entain. Entain ist Marktführer im Wettmafiageschäft. Nach Segevs Aussagen im FAZ-Interview schreibt die Bande “19 Quartale in Folge mit zweistelligen Wachstumsraten für das Digitalgeschäft”. Vorsichtshalber hat Entain seinen Unternehmenssitz im Steuerparadies Isle of Man, seine Vorläuferfirmen wurden im Steuerparadies Luxemburg gegründet. Es wäre ja auch zu schade, wenn die Gangster die Milliardenumsätze, die sie aus drogenkranken Kund*inn*en absaugen, auch noch aufwändig versteuern müssten. Um das Geschäft abzusichern werden ein gutes Dutzend teuerster Fußballkonzerne an die Sponsorennadel gelockt, viele Spieler wetten praktischerweise gleich mit, an eigens in Vereinsgeschäftsstellen aufgestellten Terminals; die deutschen Ministerpräsident*inn*en, die Gleichen, die uns vielleicht ab Montag ganz “hart” eine Ausgangssperre schenken, sind im Vergleich dazu geradezu billig zu haben.
Nur weiss ich jetzt immer noch nicht, wie ich mich beruhigen soll. Hass ist nicht gut.
Wer ist Pornomarktführer?
Quarantänen und Ausgangssperren führen nicht nur das Wettgeschäft zum Heisslaufen, sondern lassen auch das Porno(DATEN)geschäft brummen. 58% aller Haushalte in Deutschland sind (noch) keine Singlehaushalte; dort dürfte das zu internen Konflikten führen. Nachdem der deutsche Strohmann Thylmann seine Anteile verkauft hat, versuchen unbekannte deutsche Medienpolitiker*innen sich mit PR-Aktivitäten gegen das kanadische Unternehmen (ähnlich konstruiert wie s.o. Entain) Mindgeek bekannter zu machen. Einige Zahlungsdienstleister, durch den deutschen Wirecard-Skandal vorsichtiger geworden, hängen sich werbewirksam und folgenlos an. Der fachkundige SZ-Kollege Jannis Brühl hat nicht einfach nur die Pressemitteilungen abgeschrieben, sondern einen Fakt hinzugefügt und zitiert die Rechtsanwältin Carrie Goldberg: “Für jeden Fall eines Missbrauchsvideos auf Pornhub habe ich 50 Missbrauchsvideos, auch von Kindesmissbrauch, die auf Instagram und Facebook verbreitet werden.”
Dä!
Facebook? Das wäre ein Gegner, wie ihn Borussia Mönchengladbach im Champions-League-Achtelfinale zu erwarten hat. Für deutsche Politiker*innen unschlagbar. Oder weiss das jemand besser?