Nadeln im Heuhaufen der Jahresrückblicke

Ich hasse Wiedergekautes im Journalismus. Darum erlebe ich als Vielleser in diesen Tagen eine schwere Zeit. Redaktionen sind im Urlaub. Was sie jetzt über uns ergiessen, haben sie schon in den letzten Monaten produziert, weil ihre Konsument*inn*en glauben sollen, sie wären bei der Arbeit. Im ARD-Programm gestern waren das höchstens 10 Minuten Tagesschau. Drei gute Entdeckungen habe ich gemacht.

Niklas Maak ist einer der klugen Köpfe der FAZ-Redaktion. Er wurde jüngst mit einer offiziellen öffentlichen Entlassungsforderung durch einen verärgerten “Stararchitekten” beehrt – für einen guten Journalisten ist das sowas ähnliches wie eine Preisverleihung. Maak kommentiert, wie der Google-Konzern plant, sich Städte in sein Privateigentum einzuverleiben. Ähnliche Strategien in der Hochzeit des Neoliberalismus hatte schon der Bertelsmann-Konzern mit seiner Tochter Arvato unternommen. Technologieentwicklung und Monopolisierungsprozesse sind seitdem weit fortgeschritten, und haben selbst das Dickschiff Bertelsmann abgehängt. Enteignung öffentlichen Kapitals in private Konzernverfügungsgewalt ist mehr denn je der heisse Scheiss der Profitmaximierung. Darum konkurrieren jetzt Google, Apple, Amazon, Microsoft etc. Ihre Kriege finden aktuell in jeder deutschen Stadtverwaltung statt, die sich Gedanken um ihre IT-Systeme machen muss.

Wenn sich unsere neue Oberbürgermeisterin bleibend um unsere Stadt verdient machen will, wird sie uns gegen diese Abhängigkeiten verteidigen.
Autor Niklas Maak hat übrigens (hinter Paywall) auch den 100. Jahrestag der missratenen Prohibition gewürdigt. Der war letztes Jahr. Und keiner hats gemerkt.
Friedrich Küppersbusch/taz hat eine Kolumnen-Sonderschicht eingelegt, eine Doppelschicht. Suchen Sie mal nach einer Stelle, an der Ihre Meinung abweicht. Ich habe keine gefunden.
Genossen habe ich ausserdem die (vorher aufgezeichnete) Jahresabschlussdiskussion des DLF-Kulturmagazins Fazit, wie das schon gewürdigte telepolis, eins meiner Leitmedien. Hans von Trotha, Thomas Macho, Jagoda Marinić und Anke Schaefer sprachen miteinander, angenehm abgeklärt und zivilisiert, klug (Audio 40 min).