Wolfgang Michal/Freitag hält das Geschwätz von der notwendigen “Versöhnung” für ein Stillstands-Plädoyer. nur wenn eine Seite gewinne, werde es Bewegung geben: “War der Trump-Putsch vom 6. Januar ‘der vorläufig markanteste Auftritt einer globalen Bewegung’, die weit Größeres vorhat (wie die Zeit befürchtet), oder war es das letzte Gefecht der Unbelehrbaren vor der unweigerlich beginnenden sozial-ökologischen Transformation?” Die Junge Welt bürstet ebenfalls gegen den Strich: Volker Hermsdorf berichtet über Debatten der grösseren Teile Amerikas.
Ramon Schack/telepolis interviewt Ex-CIA-Mann und Bestsellerautor Robert Baer. Der beklagt das immer schlechter werdende Erfahrungswissen der Geheimdienste (“Bürokratisierung”), und zweifelt, unter Joe Biden “gut schlafen” zu können.

Russland

Die Jungle World pflegt weiter das Ärgernis, Texte als zugänglich anzuzeigen, die nur hinter ihrer Paywall erreichbar sind. Zugänglich ist ein sehr informativer Text von Ute Weinmann über den russischen Impfstoff, der selbstverständlich für den Gewinn von aussenpolitischem Einfluss eingesetzt wird. “Der Russe” ist halt nicht so blöd, wie es deutsche Regierungen gerne hätten.
Obwohl: selbst Ulrich Heyden/telepolis, Nawalny-Sympathien unverdächtig, überkommen Zweifel. Er fürchtet, dass der Kreml im Fall Nawalny politische Risiken übersieht – oder das zumindest simuliert. Nawalny war in Russland ein unbedeutender Rechter in einer heillos zersplitterten Opposition. Durch den Zugewinn an internationaler Bekanntheit fliesst Relevantes davon auch in die russischen Mediennetze, und er könnte bedeutender zurückkehren, als er vorher war. Während Nawalny exakt dieses Kalkül drehbuchgerecht verfolgt, scheint sich die Staatsführung dabei verkalkuliert zu haben. Möglich ist das.