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Es geht (nur) mit Datenschutz

Es gibt Menschen ohne Handy. Ich kenne einen. Bisher gibt es kein Gesetz, das zu seinem Besitz verpflichtet. Ich selbst habe ein Smartphone. Aber kosten- und zeitsparend ohne “Datenoption”. Ich trage es nur bei mir, wenn ich andere Leute treffen und nicht verpassen will. Meistens liegt es auf der Lehne meines Sofas zuhause, am Ladekabel. Nicht selten vergesse ich, es einzustecken, ein Luxus, den ich geniesse. Ich bin weit entfernt davon, das propagieren zu wollen. So wenig, wie ich will, dass andere mir Vorschriften zu machen versuchen. Schrullig? Weltabgewandt? Aber legal!
Heute lese ich, dass Investorengeier den wenig vertrauenswürdigen Datenkonzern Schufa umkreisen. Vor Jahren habe ich auch diesen Datenhändler mal angeschrieben, und Auskunft über die über mich gespeicherten Daten verlangt. Das ist ein Recht, das Sie und ich verlangen können. Ich bekam Auskunft. Zu meiner (Schaden-)Freude waren die Daten nicht korrekt. Es lag mir fern, den Konzern von seiner Unwissenheit zu befreien. Ich vertraue ihm nicht und hatte Dokumente, die mir darin rechtgaben. Haben Sie hinter dem Link gelesen, was der Laden wert sein soll? Ihre Daten sind da mitgerechnet.
Nicht wenige Sachunkundige touren derzeit durch Medien, gerne die Trash-Talkshows des TV, um zu jammern, an der Coronapandemie sei der Datenschutz schuld. Herrjeh, sollten wir die Psychiatriereformen der vergangenen Jahrzehnte zurücknehmen, und solche verfassungsfeindlichen Quartalsirren wieder einsperren?
Die Pandemie ist nur zu bekämpfen, wenn die Menschen ihrer Bekämpfung vertrauen, wenn sie mitmachen, und so wenige wie möglich sie sabotieren. In Deutschland geben sich aktuell zu viele zu viel Mühe, solches Vertrauen zu zerstören. Ich gebe zu, ich verliere es auch zusehends. Das Letzte, was ich in diesem Zustand tun würde, ist, Jens “Ikarus” Spahn freihändig über meine Gesundheitsdaten verfügen zu lassen. Warum sollte ich dem noch über den Weg trauen?
Wer also mit digitalen Technologien die Pandemiebekämpfung unterstützen will, wogegen nichts, sondern wofür sehr viel spricht, kann es nur mit Vertrauen, also mit Datenschutz schaffen. Lesen Sie, als Beweis, dass guter Journalismus auch heute noch existieren und arbeiten kann, Elena Matera/Berliner Zeitung: “Hemmt der Datenschutz die Pandemiebekämpfung?” Die Antwort ist: im Gegenteil!
Das Verleger*innen-Ehepaar, das Frau Matera für diese Arbeit bezahlt, hat seine Milliarden übrigens mit IT-Technologien gemacht.

3 Comments

  1. andré dahlmeyer

    du kennst zwei.

    • Martin Böttger

      Guten Morgen André. Frühaufsteher? Danke für den sachdienlichen Hinweis.

  2. Helmut Lorscheid

    Ich habe nur ein altes Mobiltelefon ohne Internetzugang, nur zum telefonieren. Das bleibt auch
    so, alle Whats und sonstigen Apps können mich mal…
    Zur Schufa habe ich etwas älteres, aber inhaltlich noch aktuelles aus Telepolis beizutragen:
    https://www.heise.de/tp/features/Schufa-und-andere-Vereinsmitglieder-3373758.html

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