Medien und ihre Parteien
Hat RTL der ARD jetzt die Klimaaktivist*inn*en weggeschnappt? Möglich ist es. Schlau wäre es. RTL hat es nötig, für gute Schlagzeilen zu sorgen. Im Bertelsmannkonzern der Milliardärsfamilie Mohn wird nämlich unbegrenzt Profit gekackt – ausser von RTL (Umsatzrückgang knapp 10%). Die Sache mit dem Fernsehen geht langsam zuende, beim Streamen laufen sie der Herde hinterher. Das Schlagzeilenmachen beherrschen sie jedenfalls weit professioneller als die ARD, die ja sowas ähnliches wie eine Ministerpräsident*inn*enkonferenz ist.
Diese Ministerpräsident*inn*en hat nun die Absicht, sie ist auch gesetzlich dafür zuständig, sich Gedanken über eine zeitgemässe Reform/Weiterentwicklung der öffentlich-rechtlichen Medien, also unserer Medien zu machen. Wenn Sie da das Schlimmste befürchten, geht es Ihnen so wie mir. Durch Hinzuziehung des Bundeskanzleramtes, das ist mittlerweile Allgemeinwissen, würde es auch nicht besser. Der Kontinuitätscharakter dieses Prozesses ist, dass die Entwicklung eines Staatsvertrages für die öffentlichen Medien – haben wir immer so gemacht – strikt nichtöffentlich (“Kamingespräche”) bleibt. Dieser Widerspruch ist eine gewaltige Kraft der Selbstzerstörung.
Oberhalb der Öffentlichkeitsschwelle muss das letzten Sonntag zu sehen gewesen sein. Ich guck’ mir den Kram nicht an, aber Rüdiger Suchsland/telepolis hats getan. Wie immer, ist der Mann, wenn es nicht um Filmbesprechungen geht, wenig geschmackssicher in der Auswahl seiner Referenzquellen, Oder ignorant und unwissend, was die politische Agenda von Springermedien betrifft. Was er an der Arbeit der Damen Will und Misoga kritisiert, halte ich leider für allzu treffend. Frau Will konnte es mal besser, z.B. als der heutige Wellenchef von WDR3 noch für sie arbeitete (“Parlazzo” im WDR-TV; Will folgte/verdrängte damals das “Brauereipferd des WDR” – Selbstauskunft – Sabine Brandi, Küppis Gattin) oder auch, als sie noch die “Tagesthemen” moderierte. Damals schien sie noch Zeit zur inhaltlichen Vorbereitung gehabt zu haben. Frau Miosga dagegen hat sie nicht? Oder kommt die aus der gleichen NDR-Moderationsfabrik, wie die Herren Pilawa, Bommes, Baumgarten? Es gibt eine offenliegende Einsicht, die Suchsland übersieht oder vergisst: die Wirkung war das Gegenteil.
Unten rausgekommen ist, was Albrecht von Lucke/Blätter mal wieder messerscharf richtig analysiert: s.o. “Gewaltige Kräfte der Selbstzerstörung”. Seine Skepsis gegenüber der mangelhaften Grünen Programmpräzision und Regierungserfahrung (im Bund) teile ich. Bei seiner Skepsis gegenüber Baerbock zugunsten Habeck steht ihm aber sein Geschlecht im Weg. Merkel hat bewiesen, dass die Frauenmehrheit gerne mal eine Frau wählt, wenn sie Intelligenz und Durchsetzungsvermögen vorweisen kann. Beides spricht Baerbock niemand ab, selbst ich nicht. Sollten die angeblich so fanatischen Identitätspolitikerinnen also auch im Mann Lucke ein dankbares Opfer von genderbedingter Blindheit finden?
Weitere Kräfte der Selbstzerstörung: bei Springer werden Sexbeziehungen jetzt meldepflichtig (welches Grundgesetz haben die?), weil sie die freifliegende Kanonenkugel Reichelt anders nicht unter Kontrolle zu kriegen glauben; und bei Gruner&Jahr flieht Julia Jäkel, die Gattin vom Wickert, vom Hof – schlechtes Bilanzzeugnis, da geht frau lieber, wenns noch Zeit für was Besseres ist.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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