Gibt es in diesen Zeiten eigentlich noch irgendwas, was wichtiger ist, als das böse Russland? Die Tagesschau zeigte Bilder von russischen Truppenbewegungen, aber keine von DefenderEurope 21. Wäre ich Russland, würde ich das nervös beobachten. Und überlegen, wie ich die nervös machen kann, die mich nervös machen. Politik geht anders. So war das jedenfalls vor noch nicht so langer Zeit.
Noch übler wird das Erscheinungsbild, wenn notleidenden Menschen in Syrien Hilfe verweigert wird, wg. dem bösen Assad, und gleichzeitig eine EU-Delegation unter deutscher Anleitung Kratzfüsse bei Erdogan macht. Ein Verbot der linken Oppositionspartei HDP steht unmittelbar bevor, ihr Vorsitzender sitzt seit Jahren aus politischen Gründen im Knast, und mit ihm Tausende, die mit Erdogans Politik nicht einverstanden sind. Seine militärische Aggression auf syrisches Staatsgebiet, der Krim-Annektion durch Putin vergleichbar, ist öffentlich überhaupt kein Thema.
Ich wüsste noch einiges, was wichtiger wäre, als ein Diener bei Erdogan.
Wer nötigt den Senhor Bolosonaro zu einer verantwortbaren Coronapolitik? Der lässt nicht nur den Sauerstofflieferanten der Welt niederbrennen, sondern seine eigenen Landsleute zu hunderttausenden abkratzen, und das Virus in seinem Herrschaftsgebiet so emsig mutieren, dass die derzeitige europäische Lahmarschimpfung – russische, indische und chinesische Impfstoffe werden noch ein paar Monate geprüft, Big Pharma-Konzerne erhalten dagegen milliardenwerte Notfallzulassungen – schneller obsolet als vollendet sind. Und welche grosse europäische Macht arbeitet an einem Konzept, die Mehrheit der armen Länder mit Impfstoffen zu versorgen? Ach so, das überlassen wir China. Und dem fiesen hinterfotzigen Putin.
Dann ist ja für alles gesorgt. Für neue Mutationen, neue Ausnahmezustände, neue Extraprofite. Mann gönnt sich ja sonst nichts.