Seine Filme waren die ersten und bisher, neben den “Schimanskis”, einzigen über das Ruhrgebiet, bei denen mein erster Impuls nicht war: “In Wirklichkeit ist das doch alles ganz anders!” Die Klischees quälten die Region und ihre Bewohner*innen, so lange ich dazugehörte und weit darüber hinaus. Heute heisst es dann immer: “Ist aber schön grün hier, hätte ich gar nicht gedacht.” und der*die Ruhri muss erneut ein gequältes Gesicht verbergen. Die Arbeit ist weggegangen und nicht wieder gekommen. Das neueste von der Landesregierung liebevoll gepflegte Klischee ist “Clankriminalität” und “No-Go-Areas”, womit nicht die gemeint sind, wo Schwarze sich nicht hintrauen, sondern die, wo sich der biodeutsche weisse “Normalbürger” nicht hintrauen soll (Frauen nicht mitgemeint: die sollen sowieso zuhause bei den Kindern bleiben).
Durch das Filmschaffen Adolf Winkelmanns wird dieses gesellschaftliche Geschehen weit realistischer und authentischer abgebildet. Wenn Sie Gelegenheit finden, schauen Sie sich noch mal sein Kino/TV-Debut “Die Abfahrer” an, wie ich es 2011 getan habe. Wenn Sie durch das heutige Mediengeschehen konditioniert und desensibilisiert sind, werden Sie staunen, wie “frisch” und “anders” dieser steinalte (1978) Film ist.
Eine nette Würdigung schrieb dem Geburtstagskind Stefan Laurin/ruhrbarone. Ich staune, weil ich weiss, wie giftig der Autor sein kann. Hier ist Stefan ganz handzahm. Meines Wissens hat die Kämmerei (Finanzdezernat) der Stadt Dortmund einen weit kritischeren Blick auf Winkelmann. Aber was er da geschafft hat, was er seinen Leben lang auf die Beine gestellt hat, das spricht halt auch für seine Cleverness. Ohne käme mann im Ruhrgebiet nicht gut durch. Hoffentlich wachsen so welche nach.