“Es braucht außerdem atomisierte Menschen, die ebenfalls frei kombinierbar und einsetzbar sind und möglichst wenige soziale und kulturelle Beziehungen unterhalten, die ihre Verwertbarkeit beeinträchtigen könnten.” Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Bei diesem Satz dachte ich sofort an die gegenwärtige Pandemiepolitik. Darauf bezieht er sich aber in seinem Kontext nicht (in erster Linie). Er stammt von Fabian Scheidler, der offensichtlich über eine bessere, glaubwürdigere Medienberatung verfügt, als die Grüne Parteispitze.
Ich war schon über einen Aufsatz in den Blättern auf ihn aufmerksam geworden. Nun hat ihn telepolis-Chef Harald Neuber ins Interview genommen und ihm zusätzlichen Raum für einen spannenden Eigentext, aus dem das obige Zitat stammt, gegeben. Der Typ kann offensichtlich sowohl gut denken als auch schreiben, was leider selten in einem Menschen zusammentrifft. Was mir inhaltlich sehr gut gefällt: dass er “die Wissenschaft” auseinandernimmt. Vieles, was in der Medienöffentlichkeit als solche verkauft wird, hat die Mindesthaltbarkeit schon überschritten. Auch die “Physik”, die Frau Merkel noch erlernt haben dürfte, zählt dazu. Und wird damit von einer möglichen Lösung zum Problem.
Prognose: das Buch wird sich gut verkaufen; der Autor wird viel eingeladen werden.
Verkaufsstrategie, scheiternde
Warum wurde Helmut Schmidt lebenslang vom Publikum als Autorität verehrt? Wegen der Pausen. Weil er langsam sprach. Es vermittelte den Eindruck, als sei er während des Sprechens mit heftigem Denken beschäftigt, und liesse alle daran teilhaben. Ein fantastischer Trick, Uwe Lyko hatte ihn gut studiert. Hendrick Wieduwilt/uebermedien diskutiert die gleiche Technik an den Beispielen Laschet und Söder, so dass wir Älteren auf die Idee kommen könnten, früher sei alles besser gewesen. War es nicht, s.o. Scheidler.