Die StaSi war so deutsch, dass sie im Heute weiterlebt
Es wäre zu platt und einfach zu behaupten, was ich schon immer geahnt habe: dass die StaSi von heute sich im Springerkonzern versteckt. Obwohl: komplett abwegig ist es leider auch wieder nicht. Die Kolleg*inn*en von Buzzfeed und uebermedien haben einen Einzelfall in die Finger bekommen und recherchiert, der das nahelegt und dokumentiert. Gute Arbeit, nur ein bisschen spät. Über 30 Jahre ist es her, dass die DDR-Spitzelbehörde (angeblich) aufgelöst wurde.
Sie lebt im Heute weiter, nicht nur bei Bild, Springer und dem RBB. Das Menschenbild, die misstrauische Mentalität und die minutiöse “Genauigkeit” des Denunziantentums lebt bis heute weiter, nicht nur in den Regierungen und Behörden, die gegenwärtig die Pandemiebkämpfung gegen die Wand fahren, sondern überall im gesellschaftlichen Raum.
Dazu zwei Beispiele.
DFB-Kabale
Es ist seit Monaten bekannt, dass sich im grössten Sportverband der Welt, dem Deutschen Fussballbund (DFB), zwei konkurrierende Seilschaften, beide im Vorstand personell vertreten, mit legalen und illegalen Mittel bekämpfen, bis einer endlich tot umfällt. An Nachgeben und Kompromisse ist also nicht gedacht – eine Disposition, die gesellschaftlich in Deutschland heute als “vorherrschend” betrachtet werden kann. Jan Christian Müller/FR ist von der einen Seite angefüttert, die SZ-Kollegen Kistner und Aumüller von der anderen. Ein klassischer Fall von alle haben recht. Und wer immer zurücktritt oder gestürzt wird: es ist nicht falsch. Den Laden müsste mann genauso auflösen wie die StaSi, nur bitte rückstandsloser.
Diskursive Freiräume erkämpfen
Die Diskussion um die Coronapolitik ist ähnlich kontaminiert, wie es der StaSi mit der DDR gelungen war. Das hat der DDR-erfahrene Jan Josef Liefers durchaus zurecht beklagt. Es sind aber garnicht alle irre, wie es der medial befeuerte publizistische Schlachtenlärm nahelegt. Stephan Schleim/telepolis z.B. nicht. Danke.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net