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Wankendes EU-Europa

Wenn Frankreich “fällt”, war es das wohl
Durchaus zurecht beherrscht die rheinische Flutkatastrophe und die damit verbundene Politikkatastrophe des versagenden “Katastrophenschutzes” das deutsche Mediengeschehen. Das verbindet sich angesichts zusammengesparter Medien-Infrastrukturen in privaten und öffentlichen Redaktionen leider mit einer immer grösseren Ansammlung blinder Flecken. Nicht nur über das Weltgeschehen, sondern über unsere unmittelbare Nachbarschaft. Einige Hinweise, die nicht übersehen werden sollten.
Werden Klimakatastrophen gewöhnlich?
Permafrostböden in Russland tauen auf. Der Eisschild über Grönland verschwindet. ist beides schon recht weit weg, nicht überraschend, war doch mit zu rechnen. Am Mittelmeer gebrannt hat es im Hochsommer schon immer. Abgebrannte Wälder habe ich in den 90ern schon auf Samos besichtigt. Während wir im Rheinland “Sonne, Schauer und Gewitter im Wechsel” bei gemässigten 20 Grad verleben, brennt es in ganz Südeuropa. Doch eine europäische Solidaritätsdebatte mit verbundener Spendensammlung, wie wir sie für die Eifel selbstverständlich und erfreulich (noch) praktizieren, stelle ich nicht fest. Hier ein Beispiel über Waldbrände in der Türkei, in einer Region die Erdogan bisher lieber nicht gewählt hat.
Frankreich in grösster Gefahr
Michael Maier/Berliner Zeitung macht sich berechtigte Sorgen, auch wenn es ihm angesichts seiner Verschuldungsphobie an ökonomischer Kompetenz zu mangeln scheint. In seinem Interview mit Ulrike Guerot, die in Bonn Politikwissenschaften lehren wird, ist über die explosive Lage Frankreichs mehr zu erfahren, als in einem halben Jahr aus deutschen Massenmedien zu sehen, hören oder zu lesen war. Das liegt nicht an mangelhaft informierten Korrespondent*inn*en, sondern daran, dass ihre Heimatredaktionen ihnen zu wenig Platz anbieten. Ein politisch verheerender strategischer Fehler.
Bricht Frankreich nach rechts weg ist die demokratische EU am Ende. Deutschland ist zwar die autoritär vorherrschende EU-Macht, mit weitem Abstand vor dem Zweitstärksten, bildet sich darauf einiges ein, wird aber weltweit kaum noch ernstgenommen. Übrigens auch als potenziell grün mitregierter klimapolitischer Streber nicht.
Ein fortschrittliches Frankreich wäre ein lebenswichtiges politisches und kulturelles Bindeglied, zwischen dem saturiert vermögenden Norden plus den Deutschen zu dem zunehmend verarmenden und klimatisch abkackenden Süden. Wenn Guerot Recht hat, und ich fürchte das hat sie, wird daraus wohl nichts. Im Gegenteil.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. W. Nissing

    Guten Tag, als jemand der sich seit über 40 Jahren zwischen beiden “Welten” bewegt, habe ich das Interview mit Interesse gelesen, zumal ich die Beiträge von Frau Guerot sehr schätze.
    Natürlich ist ein fortschrittliches Frankreich als Gegengewicht zu Deutschland (zumal von den hiesigen BT-Wahlen bis dato keine wirkliche Veränderung zu erwarten ist) mehr als nötig.
    Hier komme ich aber zu einer anderen Einschätzung bezüglich der Möglichkeiten in Frankreich. Den Regionalwahlen würde ich keine so große Bedeutung zu schreiben zumal diese im Vorfeld auf dem “linken” Spektrum doch sehr von Zank und Aus/Abgrenzung begleitet waren. Die Grünen haben wohl geglaubt auf Grund ihrer Ergebnisse auf EU und Gemeinderatswahlen eine dominierende Rolle spielen zu können, aber da ja auch bei den Regionalwahlen das Mehrheitswahlrecht galt, hat das nicht geklappt.
    Für die Präsidentschaftswahlen gelten aber ganz andere Maßstäbe und da wird Melenchon ganz anders gehandelt. Ich weiß nicht, woher die prognostizierten 10% her kommen aber sie sind mit Sicherheit weit untertrieben zumal die Meinungsforschungsinstitute mit sehr zweifelhaften Methoden ihre Ergebnisse ermitteln. Er wird ja auch von Jugov/harris mit über 15 % gehandelt weit von seinen potenziellen Mitbewerbern im Linksvondermitte Spektrum.
    Die Frage wird sein, kann Melenchon im Lager der Unzufriedenen, “Abstinezler” und dem Linksökologischen Spektrum seine Stimmen zusammen sammeln und da sehe ich durch aus noch viele Möglichkeiten. Die Frage wird hier sein, kann er eine Kampagne aufbauen abseits der sowohl ÖR als auch privaten Medien. Diese haben Ihn nämlich zum Hauptfeind erkoren was in geradezu absurden und grotesken Kampagnen ausartet…(Islamogauchist usw). Von da her würde ich das mal als “viel Feind, viel Ehr” umschreiben.
    Auch denke ich das sein Kernthema 6 te Republik nicht ganz unwichtig wird, zumal mit der Machtfülle der 5 te , die Macron bis zum äußersten ausnutzt wie kein Anderer vor Ihm, vielen Franzosen die Gefährlichkeit dieser bewusst wird.
    So, das auf die Schnelle und hier noch ein paar Links zum weiterlesen/hören und wer des F nicht mächtig dem sei Deepl ans Herz gelegt.
    https://www.laec.fr/sommaire das Programm
    https://www.youtube.com/watch?v=D4oz9nCNIIE Video zur Wahlkampagne

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