Eine Initiative der “Freunde des Frankenbads” hat in einem offenen Brief an die OB dringend darum gebeten, die Schritte zur Sanierung des Frankenbads zu beschleunigen. Zwischen den Zeilen dieses “offenen Briefs” ist leicht zu erkennen, dass die Anwohner ein gesundes Mißtrauen gegenüber der Bonner Stadtverwaltung hegen, dass trotz gegenteiliger Absichten der OB und der neuen Ratsmehrheit ein Verfahren des “Business as Usual” oder “dat hammer in Bonn schon emmer esu jemaat” droht. Eine Verwaltung, die es seit Jahrzehnten nicht schafft oder schaffen will, die maroden Bäder der Stadt zu sanieren und sich immer wieder in abenteuerlichste Finten zugunsten gewisser Vereine verstrickt, die dem “Bonner Klüngel” angehören, scheint trotz neuer OB und neuer politischer Mehrheiten egal zu sein, wer unter ihr regiert.

Wie komme ich zu solchen Unterstellungen? Ich habe nicht nur lange in der Bonner Nordstadt gelebt und meinen Wahlkreis als Grüner Landtagsabgeordneter dort gehabt, ich kenne die Verhältnisse aus der Perspektive als ökologisch orientierter Unternehmer. Etwa 2004 wurde ich aufgrund einer Internetrecherche auf den Bericht des Rechnungsprüfungsamts der Stadt Bonn aufmerksam, aus dem hervorging, dass die Bäder der Stadt die ohnehin vorgesehenen Defizite durch Energiekosten noch um 700.000 € pro Jahr überschritten hatten. Was lag näher, als der Stadt anzubieten, im Wege des Energie-Contracting – also ohne eigene Investition – die Verluste durch eine energetische Renovierung durch Blockheizkraftwerke zu beenden? Gesagt, versucht. Was ist seitdem passiert? Nichts. Und dieses “Nichts” scheint sich nun fortzusetzen.

Konzepte und Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch

Die renommierte Firma Comuna-Metall, entstanden aus einer Alternativ-WG im Westfälischen, betreibt bundesweit profitabel über 600 Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Koppelung und Wirkungsgrad über 95%.  Gemeinsam mit Comuna-Metall und der Energieagentur NRW kroch ich Mitte der 00er Jahre also durch die Keller aller Bonner Hallenbäder auf der Suche nach einer Lösung zwischen Innovation, Energieeinsparung und Kosteneffizienz. Das Frankenbad stellte dabei nur eine mittelschwere Herausforderung dar. Zum einen handelt es sich dabei zwar um ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude von Anfang der 60er Jahre, bei dem jedoch mit überschaubarem Aufwand Teile der Lüftung und Filtertechnik überarbeitungsbedürftig waren. Zum anderen ist das Gebäude mit seinen schönen Ruhebereichen, die Nutzer*innen einladen, mit ihrer Einfachverglasung eine reine Engergieschleuder. Hier konnte es nicht reichen, ein BHKW im Contracting – das ist ein Gasmotor mit Generator, der Wärme liefert und Strom ins Netz einspeist und dadurch erhebliche Mengen CO² einspart und sich selbst durch die Einsparungen an Gas amortisiert, zu installieren.

Hier müsste die Kommune in das denkmalgeschützte Gebäude z.B. durch moderne Verglasung investieren. Das lohnte sich im Frankenbad damals wie heute auf jeden Fall. Nicht zuletzt aufgrund der horrenden jährlichen Kosten für die Fernwärme, die die (stadteigenen) Stadtwerke Bonn (SWB) ihrer Stadt in Rechnung stellten. Obwohl bei einem BHKW die staatlichen Förderzuschüsse (Prozesswärme ersetzt Fernwärme) entfallen wären, hätte sich ein BHKW im Badbetrieb gerechnet – und das dürfte sich nicht geändert haben.

SWB und Stadt Bonn spielen “Linke Tasche – Rechte Tasche” mit den Kosten

Aber die SWB war nach den Worten des damaligen technischen Leiters der Bäderabteilung nicht bereit, den Vertrag über Fernwärme mit der Stadt aufzulösen – bei einem Unternehmen, das der Stadt gehört, ein mehr als zweifelhafter Vorgang. Klar wurde dabei zweierlei: Die Stadt und die SWB spielten offensichtlich das Spiel “linke Tasche – rechte Tasche”, was die Kosten anbelangt – der Fernwärmevertrag, den ich prüfen konnte, war eine Art “Selbstbedienungsladen” der SWB auf Kosten der Stadt. Und einen Willen zur echten Energieeinsparung gab es nicht. Also passierte seitdem einfach nichts. Wiederholte Nachfragen bei der Stadt Bonn ergaben, wie etwa ein Besuch beim hochbezahlten, später geschassten Immobilien”manager” Naujoks, dass er Einsparungen im Einzelfall ablehne und stattdessen ein “Bäder-Gesamtkonzept” entwickeln wolle. Dies war völlig überflüssig, denn es war schon 2005 klar, dass das Godesberger Hallenbad ebenso wie das in Beuel und das Bad des SSV Bonn sanierbar, dagegen das Viktoriabad aufgrund technischer Mängel hoffnungslos verloren war.

Der erste Schritt schon zweifelhaft

Im Falle des Beueler Bades fand eine dillettantische Ausschreibung statt, die zunächst von einem Energieerzeuger vom Niederrhein gewonnen wurde. Nachdem monatelang nichts passierte, stellte sich heraus, dass dessen Angebot viel zu niedrig kalkuliert war. Anstatt aber neu auszuschreiben, tricksten die Verantwortlichen des Bäderamts damals einfach, indem die Verträge von 10 auf 20 Jahre verlängert wurden, wohl wissend, dass ein BHKW nach 15 Jahren technisch am Ende ist. So wurden die angegebenen Investitionen zwar getätigt, mit dem Risiko, dass nach 15 Jahren weitgehende Investitionen anfallen und zulasten der Stadt gehen würden. Diejenigen jedoch, die diese Entscheidung trafen, konnten sich sicher sein, dann längst in Pension und für nichts mehr verantwortlich zu sein.

Keine Interesse an ökologischen Lösungen

Ähnlich undurchsichtig stellte sich schon 2004 die Lage beim Bad im Sportpark Nord dar: eine Fehlsteuerung durch ständiges Anfahren und Abstellen des größeren der beiden Heizkessel verbrauchte während der Begutachtung durch die Energieagentur NRW Unmengen von Energie. Seitens des Vereins gab es kein Interesse zur Installation eines energiesparenden BHKW. Es ist bezeichnend für die Arbeit der Stadtverwaltung, wenn nun, wie die Bürgerinitiative “Freunde des Frankenbades” befürchtet, wiederum durch die Stadt Bonn zunächst das SSF-Vereinsbad saniert werden soll, dessen Betreiber schon vor 15 Jahren keinerlei Interesse an Ernergieeffizienz gezeigt haben. Diese Bevorzugungen der Vereinsklüngelei müssen endlich ein Ende haben. Schließlich haben die Bürgerinnen und Bürger Bonns ein anderes Stadtparlament und eine andere OB gewählt. Dem strukturellen Filz von Vorgestern muss endlich entgegengetreten werden.

Über den/die Autor*in: Roland Appel

Roland Appel, Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Er arbeitet und lebt im Rheinland.