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Plauderstunde

Corona, Flut, Afghanistan – Koalitions-, Partei-, Ministerversagen. Hinrunde des „Wer wen?“ am kommenden Sonntag, Rückrunde im September, zunächst im privaten, später im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) – das Triell steht bevor. Wie einst beim „Duell“, als ob eine Direktwahl zum mächtigsten Amt in Deutschland anstünde, wie in Frankreich etwa.

Doch glauben Beteiligte (oder tun so), dass sich ihr Abschneiden (oder was dafür gemacht wird) auf das Ergebnis ihrer Partei am 26. September auswirken werde. Dazu setzten die Duellanten von ehedem Dutzende von Helfern ein: Fraktionschefs, Minister und Ministerpräsidenten, maßgebliche Parteileute, Abgeordnete und Freunde des Kulturbetriebs, die den Journalisten in Nebenräumen des Fernsehstudios erklärten, warum der/die eine gewonnen und der/die andere verloren habe.
Twitteratio praecox
Als zuletzt Angela Merkel und Martin Schulz aufeinandertrafen, hatten sich 700 Journalisten in Berlin-Adlershof akkreditiert. Corona-bedingt muss das jetzt anders sein, weshalb sich Spindoktoren und journalistische Aktivisten bei Twitter austoben werden. Gewiss bleiben sie linientreu und werden ihren Favoriten zum Sieger erklären. Doch Vorsicht! 2017 geriet die vorbereitete SPD-Erklärung „Merkel verliert klar gegen Martin Schulz“ durch ein Versehen an die Öffentlichkeit, lange bevor deren Duell begonnen hatte. Peinlich, peinlich.

Baerbock, Laschet und Scholz tun gut daran, sich bestens vorzubereiten – von wegen Völkerrecht, Söder und Cum-Ex. Weil der Wahlkampf auf Abwege geraten ist, kann in den Vordergrund geraten, was mit dem Oberbegriff „Körpersprache“ umschrieben wird: vom Lachen an falscher Stelle bis hin zu unangebrachtem Schuhwerk. Ironie kommt nie gut an. Eine Mitbewerberin fürsorglich gegen üble Attacken in Schutz zu nehmen, birgt die Gefahr, als interessengeleitete Boshaftigkeit entlarvt zu werden. „Negative Campaigning“ ist dieser Tage in Verruf geraten. Zuversicht kann in Überheblichkeit abgleiten. Hergebrachte Formeln („Sie kennen mich“, „Wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen“) sind verbrannt. Grimmig gucken mag Führungswillen ausstrahlen – kann aber abstoßend wirken. Wichtig ist kluges Erwartungsmanagement, Schwächen als Stärke erscheinen zu lassen. Als Elefant im Raum: Christian Lindner, derzeit mutmaßlicher Kanzlermacher von der FDP. Nun denn – schau’n mer mal.

Ein Kommentar

  1. Roland Appel

    Es ist schon erstaunlich: Da bricht kurz vor der Bundestagswahl ein Eckpfeiler der Außen- und Sicherheitspolitik zusammen in einer katastrophalen Niederlage in Afghanistan und alle Verantwortlichen versagen völlig. Klimabedingte Naturkatastrophen in NRW und Bayern könnten die Glaubwürdigkeit in die Klimapolitik erschüttern und die Öffentlichkeit diskutiert – nichts. Der “Wahlkampf” dümpelt inhaltslos weiter und Lebensläufe, Gesten, Kleidung sind wichtiger als Inhalte, Aufrichtigkeit und Fakten.

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