Nein, es geht nicht um eine Koalition. Es geht um eine Ampel. Die unselige CDU-Herrschaft in dieser Stadt hat noch kurz vor ihrer Abwahl die Fussgängerampel von der von-Sandt-Strasse geradeaus über den Adenauerplatz zu meiner Fussballkneipe abgeschafft. Als Grund wurde vorgelogen, die Linie 66 solle “beschleunigt” werden. An diese Veräppelung wurde ich gestern auf meinem Weg zum Beueler Wahlbüro erinnert.
Er führt mich von der Rathausstrasse zur dortigen Fussgängerampel über die St. Augustiner. An dieser Kreuzung gibt es einen Linksabbieger für die aus Siegburg kommenden, sowie eine Fussgängerampel; ein Überweg für Fahrräder fehlt ganz. Eine hochschwangere Fussgängerin vor mir hatte den Ampeldrücker betätigt. Wir – und die Linksabbieger – bekamen exakt in dem Moment Grün, als sich von rechts eine 66, soeben von der Haltestelle Adenauerplatz gestartet, näherte (ein Erlebnis, das alle Fahrradfahrer*innen auch vom Übergang unmittelbar an der Kennedybrücke kennen). Nachdem sie – immerhin – die Fussgängerampel unnmittelbar an der Haltestelle zuvor erfolgreich überwunden hatte. Die Dame mit dem Kind im Bauch erschrak sich angesichts der imposanten Bahn, und wagte kaum weiterzugehen. Zumal im gleichen Moment das gelbblinkende Strassenbahnsymbol an der Warnampel zu blinken begonnen hatte. Mir war es, wie so oft, nur peinlich, dass wir zwei Personen eine vollbesetzte Bahn ausbremsten; zum Anhalten bestand jedoch kein Anlass, denn die Linksabbieger hatten ja auch Grün.
Das “Gaga” all dieser Ampeln ist, dass sie zentral rechnergesteuert sind, darauf programmiert – von Menschen übrigens! – einen möglichst flüssigen Autoverkehr zu gewährleisten. Dem muss sich an jeder Ampel auch jede Stadtbahn unterordnen. Die vor 50-60 Jahren erfundenen Ampelvorrangschaltungen für Strassenbahnen kommen im modernen Bonn nur in seltenen Ausnahmefällen zur Anwendung. Mir fällt spontan keiner ein. Viel zu tun für eine Grüne OB.
In gut einem Monat jährt sich ihre Amtsübernahme. Es wäre ein guter Anlass, uns die Fussgängerampel am Adenauerplatz zurückzugeben.