Pegida und ihre Ausgeburt AfD haben heute einen historischen Erfolg eingefahren: “Merkel” kommt weg. Selbstverständlich ging es nur vordergründig um die Person. Im Kern geht es darum, was sie in der Öffentlichkeit verkörperte. Zwar hat sie es selbst nie herausgestellt, und doch ist es unbestreitbar: sie ist eine Frau. Ich habe schon als Western im Schwarzweissfernsehen konsumierendes Kleinkind gelernt: die stören die Action-Handlung. In den ARD-Tagesthemen versprachen die Herren Habeck und FDP-Vize Vogel in Vertretung seines in der “Berliner Runde” sitzenden Chefs Lindner in dieser Hinsicht Besserung.
Die zwei Jungs sind ja nicht doof. Um dem Olaf und dem abschiffenden Armin die Regie aus der Hand zu nehmen, übernehmen wir sie einfach selbst, und treffen uns erstmal ohne die. Dabei liesse sich z.B. “in Ruhe” besprechen, wer das Aussen- und wer das Finanzministerium übernimmt. Die Grosse Koalition hat bereits gelehrt, dass die Bundeskanzlerin bei der Besetzung der Bundesministerien entgegen der Verfassung keine steuernde Rolle mehr spielt. Sie kann versagende Amtsinhaber*innen allenfalls damit bedrohen, sich “hinter” sie zu “stellen”. Und selbst darin hat sie zuletzt stark nachgelassen.
Meine Methode, das Gelabere an TV-Abenden zu entschlüsseln, ist, den Ton abzustellen. Dadurch, probieren Sies mal aus, sehen Sie viel mehr. Das Gesicht von Laschet, wenn Söder sprach, sagte mehr, als die ganze Zeit geredet wurde. Auch Baerbock guckte nicht amüsiert, wenn sie von Lindner mit seinem Habeck-Coup konfrontiert wurde, und konterte öfter, als es der Kontext erforderte, mit der Redewendung, was sie alles “gemeinsam mit Robert Habeck” anzustellen gedenke.
Das Problem dieser allzu durchsichtigen und überwiegend schlecht gespielten Inszenierungen ist die Tatsache, dass die Gräben in den jeweiligen Parteien weit tiefer sind, als zwischen den männlichen Buddys, die ihre Netzwerke längst gespannt haben. Zwischen den Bundestagsapparaten von FDP und Grünen schon seit gut zwei Monaten.
Die Grünen haben einen Frame (rahmenden Begriff) installiert, der zu begrüssen ist, an dem sie am Ende aber auch selbst gemessen werden: die nächste Bundesregierung müsse “eine Klimaregierung” werden. Gut gebrüllt. Jetzt bitte Hefte raus, Klassenarbeit! Macht mal die Klimaregierung!
Die Moderatoren von ARD und ZDF in der “Berliner Runde”, Becker und Frey, haben sich gut genug vorbereitet, um sich nicht gegenseitig zu belästigen, wie beim Triell. Das war auffällig. Wirklich für Politik interessieren tun sie sich aber offensichtlich nicht. Ihre Fragen waren vorgestanzt und inhaltlich, insbesondere in Richtung der Linken, von Frau Henning-Wellsow allerdings exzellent gekontert, absolut desinteressiert. Keiner von ihnen kam auf die Idee, Armin Laschet danach zu fragen, ob er persönlich überhaupt ein Bundestagsmandat errungen hat (in einem Direktwahlkreis kandidierte er nicht). Auch Frau Miosga kam in den Tagesthemen nicht auf die Idee, die Jungs von Grünen und FDP danach zu fragen, ob sie die Frauen in ihren eigenen Reihen um Erlaubnis für ihr Vorgehen gefragt haben. Frau Miosga war erkennbar besoffen davon, den Auftritt in ihrer Sendung, statt auf einem Konkurrenzkanal, zu haben. Schön, wenn sie das so freut. Schade, wenn sie dabei ihren einstigen Journalismus vergisst. Hätte Slomka das auch so gemacht?
Wo war eigentlich Armin Wolf den ganzen Abend? Ach so, der ist Österreicher. Schade eigentlich.