Sabotage gegen Laschet soll zukünftige rechte Hetze erleichtern
Triumphierend hat das “Lügenblatt” auch aus der schwarz-grünen Sondierungsrunde Zitate präsentiert, wie schon zuvor aus dem CDU/CSU-FDP-Gespräch. Es dokumentiert damit, dass es einen – mindestens einen – Hampelmann in der CDU-Sondierungsdelegation hat. Ziel: die Nicht-Geschäftsfähigkeit von Verhandlungsführer Laschet so drastisch zu dokumentieren, dass eine “Jamaika”-Koalition (CDU, CSU, Grüne, FDP) unmöglich wird. Das könnte klappen.
Nicht, dass ich persönlich was dagegen hätte. Es ist jedoch politisch relevant, aus welchem Interesse die Schmuddeltypen von Springer und ihre charakterschwachen Freunde in CDU und CSU so agieren.
Letztere agieren ungefähr so, wie Fussballfunktionäre im Ruhrgebiet: sie trauen sich nicht, selbst öffentlich für eine Position gerade zu stehen, und halten es für clever, mit den grossen Druckbuchstaben über Bande zu spielen. Charakterlich ärmer gehts nicht; andere nennen das “Mechanismen des Geschäfts”. Wer sich mit denen die Hände schmutzig macht, weiss, was er tut (sehr wenige Frauen mitgemeint).
Der Springerkonzern und seine journalistischen Hilfsarbeiter kalkulieren, gegen eine – nicht wirklich – “linke” Bundesregierung liesse sich ungehemmter und damit in der Aufmerksamkeitsökonomie lukrativer hetzen.
Ob das Rückwanderungen von der AfD bewirken würde? Das halte ich für einen schlechten Traum. Aber der Nebeneffekt solchen ungebremsten Kesseltreibens wäre eine realistisch zu kalkulierende Einschüchterung der nicht wirklich stand- und sattelfesten Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP. Auch bei denen lassen sich U-Boote rekrutieren, die sich klandestin als medienpolitische Lobbyist*inn*en von Springers Konzerninteressen benutzen und bezahlen lassen.
Medienpolitik findet zwar weniger auf Bundesebene, sondern mehr in den Bundesländern und in der EU statt. Dennoch sind Bundestag und Bundesregierung dabei eine wichtige Adresse für Konzerninteressen. Die MdBs sind diese Legislaturperiode so zahlreich, dass viele von ihnen mit Arbeit und Ruhm nicht ausgelastet werden. Sie können Einfluss auf ihre Landesregierungen nehmen. Und die Bundesregierung ist die wichtigste Akteurin in der EU.
Springer kalkuliert darauf, die alle so einzuschüchtern, dass sie am Ende unter der Türritze des Konzernvorstandsbüros durchkriechen und Friedensangebote mitbringen. Wenn sie überhaupt lesen, lesen und konsumieren sie halt die falschen Medien. So ist das mit billigen Politiker*inne*n. Nicht nur in der CDU/CSU.
Der Konzern dürfte so im Vergleich zu allen deutschen Konkurrenten am besten für den kommenden Informationskrieg gerüstet sein, wie er gestern in einer sehenswerten Arte-Dokumentation von Alexandra Jousset und Philippe Lagnier zu erkennen war (Mediathek bis 10.12.). Beachten Sie insbesondere die aufschlussreichen Passagen zu Brasilien und Indien, zwei Demokratien, die unter national unterschiedlich geprägte Räder des Faschismus zu geraten drohen. Springer ist kein Konzern, der dagegen Widerstand leistet, sondern der versucht, absehbare Entwicklungen intelligent zu adaptieren. Eine hierzulande eher verrufene Gestalt wie Bild-Boss Julian Reichelt ist für sowas genau die richtige Führungskraft. Ein moderner Typ mit Zukunft?
Mann und Frau muss sich entscheiden. Ich bin da gegen im demokratischen Widerstand, und würde jeder Regierung, der ihr politisches Leben lieb ist, ähnliches raten.