Ich habe befürchtet, geahnt, gewusst, dass es nicht nur in meiner Partei so ist. Der Neoliberalismus als herrschende Ideologie des global vorherrschenden kapitalistischen Wirtschafts- und Sozialsystems frisst seine Gegner*innen. Die besonders gerne. Die Dümmsten unter ihnen merken nichts davon. Das Individuum kann sich dem mit oppositionellen Meinungen und Positionen nicht hinreichend erwehren. Erforderlich wären darüber hinaus soziale Fähigkeiten zu Empathie und Solidarität. Das Erkennen des “NUR gemeinsam sind wir stark!”, das füreinander einstehen, Arbeitsteilung gemäss Talenten und Kompetenzen. Gute Fussballmannschaften können das. Die hiesigen Parteien sind dagegen eine ausnehmend schlecht gewählte Sozialisationsagentur, um solche Fähigkeiten (weiter) zu entwickeln.
Wie komm’ ich drauf? Bernd Müller/telepolis berichtet über die Pandemiepolitik von “Die Linke”, die eins ganz besonders nicht ist: erkennbar. Dort fand ich diese Formulierung: “Auch in der Linken habe die neoliberale Ideologie, die Schuld für gesellschaftliche Missstände Einzelnen zuzuweisen, schleichend Fuß gefasst.” Das haben die Berliner*in Halina Wawzyniak und Udo Wolf geschrieben, die in der gebräuchlichen Gesässgeographie als gemässigte Reformist*in gebrandmarkt werden. Wolf könnte seine trotzkistische Vorbildung (“GIM”) bei dieser linken Erkenntnis zugute kommen; mehrere meiner Freund*nn*e*n und Extradienst-Leser*innen waren da.
Wawzyniak und Wolf charakterisieren die vorherrschende Keiferei meiner Meinung nach zutreffend, über ihre Partei weit hinaus. Widerstand gegen den entsolidariserenden Neoliberalismus muss weit über Resolutionen und Räsonieren in gesellschaftliche Praxis münden. Das kann nur über Parteigrenzen hinweg geschehen. Und erlernen müssen wir das zuhause und bei der Arbeit, beim Denken, Spielen, Geniessen, Amüsieren. Und beim Druckausüben auf Parteien, denen wir mglw. selbst angehören.