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Von Ampeln und Telefonaten in Bonn

Es ist doch schön zu sehen – oder in diesem Fall zu lesen – wie sich jemand bemüht etwas so zu erklären, so dass selbst ich glaube verstanden zu haben. Erläuterungsbedürfnis hatte ich bezüglich der Grünphase für (heißt das jetzt “Zufußgehende”) ich meine Menschen im Straßenverkehr mit ohne Auto oder E-dingsda. Man könnte sie auch “Schnellersterbende” im Straßenverkehr nennen. Aber dann wird es so traurig, da bleibe ich also bei FußgängerInnen. Weil die Grünphase zur Überquerung des Konrad-Adenauer-Platzes von der Sparkasse zur Friedrich-Breuer Str. mir sehr kurz erschien, wollte ich die Stadtverwaltung anrufen.
Doch wer das in den vergangenen Monaten schon mal versucht hat, weiß, dass man über das mich jedenfalls auf Dauer nervende Beethoven-Dedudel in der Warteschleife des in Köln befindlichen Callcenters kaum hinaus kommt. So auch an diesem Tag. Also schrieb ich, wieder zu Hause angelangt, eine Email-Anfrage. Weil ich nicht wußte, wer für die Ampelschaltung zuständig ist, und mich in diesem Punkt erhellendes auch nicht auf den Seiten der Stadtverwaltung fand, schrieb ich an die Pressestelle. Schließlich war eine Veröffentlich hier an dieser Stelle beabsichtigt.
Wie fast immer formulierte ich meine Anfrage so nüchtern und sachlich, wie möglich “Gibt es einen neuen Sportwettbewerb für Fußgänger in der Stadt – oder warum beträgt die Grünphase für einmal rüber – von der Sparkasse bis zur Bushaltestelle in Richtung Beuel Bahnhof wirklich nur 28 Sekunden. Ich habe heute zwei Mal gestoppt. Die Zeit für die Überquerung von nur einer Straßeneinmündung der Breuer-Str. betrug dagegen rund 55 Sekunden.”
Die Antwort des Presseamtes ließ nicht lange auf sich warten:
“Für das Thema Ampelschaltung ist etwa das Tiefbauamt zuständig. Die Kolleg*innen haben im Folgenden einige Erläuterungen zu Ihren Fragen zusammengestellt: Die Mindestgrünzeit für signalisierte Überwege wird auf der Grundlage einer bestimmten, in Regelwerken festgelegten Gehgeschwindigkeit festgelegt. Um zu gewährleisten, dass die Fahrbahn auch beim Betreten eines Überwegs in der letzten Sekunde der Grünzeit des Fußgängersignals gefahrlos gequert werden kann, schließt sich die so genannte Räumzeit an, die wiederum auf der Grundlage definierter Gehgeschwindigkeiten ermittelt wird. Erst nach Ablauf dieser Räumzeit werden in Konflikt stehende Verkehrsströme freigegeben.
In Bonn wird bei der Bemessung der Grünzeit meist eine geringere Gehgeschwindigkeit als in Nachbarkommunen zugrunde gelegt, die Fußgängergrünzeit ist in Bonn also regelmäßig länger als in anderen Städten. Hinzu kommt, dass Fußgänger*innen in Bonn die Querung der gesamten Fahrbahn innerhalb der Grünzeit ermöglicht wird. Die Regelwerke erlauben hingegen den Wechsel der Fußgängersignale auf ‘rot’ bereits nach Querung eines Teils der Fahrbahn, was unkritisch ist, denn es schließt sich ja die Räumzeit an. Nachbarkommunen schalten die Signalanlagen deshalb häufig unter Ausnutzung der zulässigen Werte.
Ebenfalls können Fußgänger*innen in Bonn in den allermeisten Fällen die Fahrbahn auch dann innerhalb einer Phase queren, wenn die Straße getrennte Richtungsfahrbahnen aufweist, die durch Fahrbahnteiler geteilt sind. In anderen Kommunen ist diese vollständige Querung ‘in einem Zug’ oft nicht möglich, dort werden Fußgänger*innen beispielsweise auf Mittelinseln mitunter länger angehalten, bevor sie die Querung in einer Folgephase fortsetzen können.
Wenn die Fahrbahn allerdings nicht zu Beginn der Fußgängergrünzeit betreten wird, ist die Querung der gesamten Fahrbahn natürlich nicht innerhalb der Grünzeit möglich. Es gilt in diesem Fall, dass die einmal begonnene Querung bis zum nächsten Bordstein auch dann gefahrlos beendet werden kann, wenn die Signale während der Querung auf ‘rot’ wechseln.”

Das nenne ich eine ausführliche Antwort. Auch wenn mir diese Grünphase noch immer zu kurz erscheint – denn es löst bei Gehbehinderten sicherlich Stress aus, wenn der Farbwechsel der Ampel von Grün auf Rot sie mitten auf der Fahrbahn ereilt.
Das Problem mit der Telefonzentrale ist bekannt. Auch dafür gibt es Gründe:
“Die aktuelle Erreichbarkeit über das Bürgertelefon ist für alle Beteiligten, das Bürgertelefon als kunden- und serviceorientierte Dienststelle eingeschlossen, nicht zufriedenstellend. Wir sind durch die anhaltende Corona-Krise weiterhin erheblich belastet. In den letzten Wochen gab es im Durchschnitt täglich mehr als 10.000 Anrufe. Dies stellt ein um 2,5-fach erhöhtes Anrufvolumen als zu Zeiten vor Corona dar. Über das Jahr 2021 wurden diverse Maßnahmen zur Gegensteuerung angegangen – weitere sind in Bearbeitung. Hierzu zählen unter anderem zahlreiche Personaleinstellungen. Dies führte zu einer Steigerung der Erreichbarkeit im Vergleich zum Vorjahr 2020. Dennoch ist das aktuell weiterhin erhöhte Anrufvolumen mit der sonstigen Personalstärke nicht abzuarbeiten, so dass es immer wieder auch leider zu längeren Wartezeiten am Telefon kommen kann. Die Stadt hofft weiterhin, dass sich das Anrufvolumen perspektivisch wieder auf ein Normalmaß einpendeln und die gewohnte Erreichbarkeit erzielt wird.”
Das ist eine verständliche Beschreibung des unbefriedigenden Zustands. Vielleicht sollte man über die “Heimholung” der Telefonzentrale aus Köln nach Bonn noch mal nachdenken. Geld für zusätzliches Personal hat die Stadtverwaltung ja offensichtlich – sonst hätte die Oberbürgermeisterin Katja Dörner nicht personell aufrüsten können.
Wobei ich aus meinem Erleben der Stadtverwaltung absolutes Verständnis dafür habe, dass sie sich mit einigen Menschen ihres Vertrauens umgeben muß. Denn die Verwaltung arbeitet zu einem großen Teil – und das oft in der Leitungsebene – gegen die neue Stadtpolitik – und nicht in deren Sinne.
Ich wäre dafür, sämtliche Arbeitsplätze in den Stadtverwaltungen auf die Wahlperiode des Oberbürgermeistes zu beschränken. Ende der Wahlperiode gleich Ende des Vertrages und Neubewerbung. Damit könnte man besser sicherstellen, dass der in der Wahl zum Ausdruck gekommene politische Wille auch umgesetzt wird. Außerdem sollten die Leitungsebenen ebenfalls nach Tarif bezahlt werden und nicht wie derzeit üblich frei verhandelt.
Das gilt im Besonderen für die überflüssigem Posten, wie die Leitung von “Bonn Orange”. Wieso braucht Bonn fürs Mülleimer-Leeren und Straße reinigen eine Extra-Firma? Und wieso muß die Leitung dort, insbesondere wenn sie so unfähig ist, wie die zuletzt entlassene – ein höheres Gehalt als die Oberbürgermeisterin bekommen?
Nach oben kommen keineswegs die Fachleute oder besonders motivierten Mitarbeiter, sondern die Intriganten, Täuscher und meist sachkenntnisfreie Wichtigtuer. Bonn lieferte dafür viele Beispiele.

Ein Kommentar

  1. Gernot G. Herrmann

    Helmut, Du alter Arbeitnehmer*innenfeind ! (So kenn ich Dich garnicht). Wer soll denn nach jeder OB*in Wahl die ganzen Bewerbungen lesen? Die noch im Amt befindlichen Personaler*innen (doch sicher nicht!) Die neuen (sind aber noch nicht eingestellt). Die OB? OK, hat ja sonst nix zu tun – die alten Mitarbeiter*innen schreiben Bewerbungen und die neuen warten auf die Einstellungsgespräche …
    Aber natürlich stimme ich Dir zu, was Du zur personellen Aufstockung (nicht -rüstung) im OB-Büro sagst, genauso wie ich Deiner Position zu Frau Hülter zustimme.
    Bleib weiter kritisch un d schöne Grüße, Gernot

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