Und: Neue Detektivarbeit zur Sars-Cov-2-Herkunft
Christian Kreiß/telepolis meint, die Türkei könne die nächste Weltfinanzkrise auslösen. Seine Darlegung liest sich für mich schlüssig. Er wählt nicht die häufig von Tomasz Konicz gepflegte apokalyptische Tonlage, sondern bleibt cool. Eine wichtige Stelle: “Letztlich beruht das Funktionieren aller Schuldbeziehungen, aller Kredit- und insbesondere der riesigen Anleihemärkte auf dem Glauben der Geldgeber, auf dem Vertrauen, dass das Geld zurückbezahlt werden wird. Das Wort Kredit kommt von credere, glauben. Wenn der Glaube der Gläubiger, das Vertrauen der Investoren bricht, dann führt dies zu einem allgemeinen Crash an den Finanzmärkten.”
Ob Glaube und Vertrauen bleibt oder verloren geht, ist keine Mathematik, sondern Politik. Kreiß’ Szenario weist für mich auf die nächste Monsterkrise der EU hin. Sie war und ist es unter deutscher Führung, die Erdogan gnadenlos die Stange hält. Er wird zwar nicht als Mitglied geworben, aber für zahlreiche Dienstleitungen üppig bezahlt. Die Bundeskanzlerin schämte sich noch nicht einmal dafür, ihm zu jedem Wahltermin die Aufwertung durch einen Staatsbesuch zu schenken. Dass sie dabei kein gutgelauntes Gesicht machte, gehörte zur Performance und nützte beiden.
Wolfgang Pomrehn/telepolis macht sich Gedanken über die künftige deutsche Aussenpolitik am Beispiel China. Er macht hinreichend deutlich: um Menschenrechte geht es nicht. Das beweisen die deutschen Erdogan-Beziehungen seit Jahrzehnten. Dass Claudia Roth Staatsministerin für Kultur geworden ist, wird Erdogan eher beruhigen als beunruhigen. Die nervt, hat aber nicht das Geld, das ihn bezahlt. Mit Baerbock zu reden, dafür hat er seinen eigenen Aussenminister. Die wichtige Adresse für ihn ist Lindner.
Und der ist in folgender Zwickmühle. Das Interesse der USA am Nahen Osten schwindet mit den steigenden Gas- und Ölpreisen, und schneller als das Arktiseis. Ihr eigenes Fracking würde sich wieder lohnen. Und die ökonomische und geostrategische Musik spielt in Ostasien und im Pazifik. Mit dem Störenfried Erdogan soll sich die EU, soll sich Deutschland kümmern und herumärgern. Vor allem um das Kapital kümmern, das das kostet.
Kracht die Türkei ökonomisch zusammen, bekommt die EU ein noch mal ganz anderes Migrationsproblem, als sie jetzt schon nicht lösen will. Das finanziell zu lösen, wird sie wunderbar als Konkurrentin und Dazwischenrednerin ausschalten.
Neue Erkenntnisse zum Sars-Cov-2-Virus?
Ja, meint Jane Qiu/Technology Review (heise). Michael Worobey von der University of Arizona, habe noch im Mai weitere Forschungen gefordert, und sei nun zu selbsterforschten Ergebnissen gekommen: “Jetzt hat Worobey in der Zeitschrift ‘Science’ eine neue Studie veröffentlicht, die darauf hindeutet, dass der früheste diagnostizierte Fall von Corona falsch verstanden wurde und dass der Huanan-Wildtiermarkt in Wuhan mit ziemlicher Sicherheit der Ort war, an dem das SARS-CoV-2-Virus von Tieren auf Menschen übergesprungen ist.”
Qiu referiert Worobeys Aufsatz, spannender als der Tatort gestern.