Coronapolitik: in Deutschland hat nicht nur die Bahn immer Verspätung
Zwischen dem 4. Advent und “Drei Könige” (6.1.) erstirbt im christlich geprägten Deutschland zwar nicht das öffentliche Leben, aber: Politik, Medien, Bürokratie. Alle, die das ganze Jahr Stress veranstalten, machen Pause, selbstorganisierten Lockdown, weil sie selber runterkommen müssen, Ehescheidungen, weglaufende Kinder und bekümmerte Eltern und Grosseltern mit Ableben drohen. So kommt es, dass die ganze Welt über Omikron-Infektionen klagt. Die ganze Welt? Nein, ein kleines Land, direkt neben Gallien, beharrt auf einer unglaubwürdigen 7-Tage-Inzidenz. in Bonn z.B. unter 300 (steigend, bei derzeit sinkender Krankenhausbelegung). Doch schauen Sie sich mal das Diagramm-Schaubild an: was fällt Ihnen auf? Die Lücken zwischen den Säulen. Richtig.
Und nun schauen Sie, nur mal zum Vergleich, das exzellente österreichische TV-Nachrichtenmagazin ZIB2 von gestern (hochdeutsch, keine Sprachbarriere!). Was sehen Sie da? Realismus!
Ich erinnere mich an den Beginn der Pandemie. Silvester 2019 meldete China das Virus offiziell bei der WHO. Silvester? Das bedeutete: in Deutschland völlig unbemerkt. Hier im Rheinland, der bevölkerungsreichsten Region Deutschlands, gingen die Neujahrsfeiern 2020 nahtlos in die Karnevalssession (Gangelt, “unser” Ischgl!) über. Nicht nur, weil es kulturelle Sitte und Brauchtum ist, sondern eine tragende Säule der regionalen Ökonomie. Die will bis heute, umbenannt als “kritische Infrastruktur”, das Virus besiegen. Im letzten Jahr ist das bekanntlich desaströs schiefgegangen. Aber wann hat Deutschland jemals aus seiner Geschichte gelernt?
Hat sich seitdem irgendwas gebessert? Wird das Virus und seine Wirkungen erforscht? Das meiste, was wir hierzulande wissen, wissen wir aus Forschungen in anderen Ländern. Wird irgendwo irgendwas vorgesorgt? Die berühmten “Vulnerablen”, werden sie besser geschützt? Im Gegenteil: die “kritischen Infrastrukturen”. verkörpert durch menschliche Arbeit, sind auf der Flucht. Keine Regierung hält sie auf. Oder haben Sie eine Wende in der Pflegepolitik bemerkt?
Die in Europa bereits laufende Durchseuchung durch Omikron (s.o. ZIB2) ist für die Fitten und Gesunden keine Gefahr. Für sie ist diese Virusvariante harmlos genug, kann in Kombination mit dem Impfschutz die Immunabwehr sogar verbessern und perfektionieren. Die Schwachen, die profitorientierten Systemen nur auf der Tasche liegen, also überflüssig sind, die “müssen” leider erkranken, und nicht wenige wegsterben. Auch die Omikron-Variante legt also die ganze Hässlichkeit des real existierenden Systems ein weiteres Mal offen.
Wo ist da noch der Unterschied zu den rechtsradikalen Impfgegner*inne*n? Der unbesiegbare – imgrunde topgermanische orangeblonde – Trump hat das Virus besiegt, der weisse Bolsonaro ist ebenfalls immer noch nicht tot. Tot gehen nur die unbrauchbaren Schwächlinge. Also z.B. auch die gebärfreudigen Schwarzen, die sich Impfstoffe – oder gar “Gesundheitssysteme” – nicht leisten können. Das durchzusetzen, dafür genügt deutsches “Spazierengehen”.
Was lernen wir daraus?
Wenn Sie weiterlesen möchten, vertiefen Sie das Thema bei Leigh Phillips/Jacobin.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net