Hier eine kurze Auseinandersetzung mit den nachdenkseiten, im Guten wie im Schlechten. Der Barschel-Maniac Patrik Baab gibt im Interview mit Marcus Klöckner gute Hinweise, wie Sie und ich uns vor billigem Propaganda-Journalismus schützen können. Es macht Arbeit, aber nicht dümmer. In das Barschel-Thema hatte ich mich seinerzeit auch etwas verbissen (ohne dicke Bücher zu schreiben). Ein älterer Verwandter des von den Saudis ermordeten Jamal Kashoggi spielte damals eine merkwürdig unbeleuchtete Rolle als Waffenhandelsmakler.
Egon Bahr war damals Spitzenkandidat der SPD-Landesliste Schleswig-Holstein für den Bundestag, und mit Rüstungsdeals gewiss besser als die meisten Anderen vertraut. Das Haus seiner Sekretärin in Königswinter brannte aus unbekannten Gründen aus. Bahr war immer schlau genug, solche “Mitteilungen” zu verstehen.
Der damalige Schatzmeister der IG Metall, zuständig für die Rüstungsbranche, verstarb – einen Monat nach Barschel – auf Bahngleisen bei Rosenheim.
Wer sich so in das Thema eingräbt wie Baab, muss unter normalmenschlichen Verhältnissen paranoid werden. Baab macht aber in dem Interview gar nicht diesen Eindruck: er spricht (oder schreibt) kühl, sachlich, zutreffend hart.
Also: gut gemacht
Der bittere Albrecht Müller, Arbeitgeber der angestellten Redaktion, behauptet: „Westliche Propaganda schafft alles. Auch den nächsten Krieg“. Wenn er recht hätte, wäre hier Schluss. Er könnte aufhören. Ich auch. Wir könnten uns gutem Alkohol und schönen Frauen zuwenden, weil alles andere zwecklos ist. Ist es nicht.
Die von Müller lautstark beklagte Propaganda gibt es wirklich. Sie ist aber erfolglos, jedenfalls hierzulande. Eher rechte Marktforscher haben es ermittelt und eine eher rechte Redaktion hat es verbreitet. Dä. “Die Leute” sind weit weniger blöd, als Albrecht Müller und ich als schlaue linke Durchblicker glauben. Und die Vorkriegspropaganda hofft. Die Falle, in die wir da alle laufen, heisst Selbstreferentialität.
Um die zu vermeiden, bedarf es auch weiterhin keiner Verbrüderung mit russischen Staatsmedien wie RT, die von den nachdenkseiten weiterhin fleissig verlinkt werden, wie sogar Springermedien, wenn sie nur genug gegen das Impfen sind. Es kann doch nicht so schwer sein zu kapieren, dass solche Medien Interessen vertreten, die nicht fortschrittlich sind. Wie kann ein einst kluger alter Mann und seine Mannschaft nur so irrlichtern? Wenn sie diesen Unsinn nur sein lassen würden, würde ich ihnen fast schon ihre Wagenknecht- und Lafontaine-Verehrung verzeihen. Die sind nach meinen Informationen als privates Paar längst getrennt. Das lässt hoffen. Ich weiss nur nicht, für wen von den beiden.
Ein inhaltliches Versöhnungsangebot immerhin haben die nachdenkseiten ebenfalls verlinkt: den in Russland lebenden und dort keineswegs staatsaffinen Kai Ehlers, den ich einst als v.i.S.d.P. des KB-Ograns “Arbeiterkampf” hassen gelernt habe. Aber der weiss heute als alter Mann, warum es keinen Krieg wg. Ukraine geben wird. Wäre doch erfreulich, wenn er Recht behält.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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