Deutschland in den Medaillenrängen
Der GEWler Frank Bernhardt/telepolis beschrieb kürzlich das Weltklasseniveau deutscher Erinnerungspolitik: Der Faschismus und wir: ‘Alles bewältigt und nichts begriffen’ – Die Karriere der bundesdeutschen NS-Vergangenheitsbewältigung – von einer lästigen Pflicht zur hochgeschätzten ‘Erinnerungskultur’: ein Paradefall imperialer Selbstgerechtigkeit” – und darin den Bundespräsidenten und ehemaligen Bundesaussenminister als “unseren” würdigen Repräsentanten.
Vieles spricht dafür, dass der Kollege Bernhardt das richtig sieht. Nicht nur für die Erinnerung, sondern auch für vieles Gegenwärtiges. Derzeit wird gestaunt, wie “viele” olympische Wintersport glotzen – ein untrügliches Zeichen für die Selbstbesoffenheit derjenigen was-mit-Medien-Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Gestern waren es 1-4 Mio. (von 83), die sie sich dann als “Marktanteile” (von denen, die insgesamt den ganzen Tag vor der Glotze sitzen) schönrechnen. Lieber ein flimmernder Bildschirm als Kaminfeuer, das sich die meisten nicht leisten können oder wollen.
Die dieserart am Rad drehen, finden dann auch die olympische Bobbahn weniger als halb so schlimm, wenn deutsche Held*inn*en für die Medaillenränge unseres unübertrefflichen Doitschland alle Medaillen abräumen. Ja sicher, China, Uiguren usw., aber wenns um uns geht, unsere Mädels und Jungs, muss mann doch mal darüber hinwegsehen können. Aber warum nur müssen alle, auch die, die es überhaupt nicht interessiert, so lärmend damit belästigt werden?
Sehen Sie nur mal der britische Adel. Es geht auch leise, möglichst jeden Lärm vermeidend. Mir persönlich ist es ja egal, ob der Andreas Windsor ans Kreuz genagelt wird. Und wenn Mrs. Giuffre eine namhafte Summe für gute Taten einnimmt, ist das gut. Interessanter wäre aber, das Epstein-Netzwerk öffentlich, ob nun durch Strafprozesse oder andere professionelle Recherchearbeit, auszuleuchten. Das wäre ein Dienst an der Demokratie und der öffentlichen Sicherheit – Kriminalitätsbekämpfung, die sich lohnen würde.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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