Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

40 russische Diplomaten müssen gehen!

Die Außenministerin Baerbock sagt, sie hätten „jeden Tag gegen unsere Freiheit, gegen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gearbeitet“ – eine sinnvolle Vorsichtsmassnahme. Es ist recht und billig, wenn wir unser Hausrecht ausüben. Vor allem, weil wir nicht wissen können, was diese Diplomaten hier so alles bei uns im Untergrund treiben und was sie nach Hause melden. Das könnte tatsächlich gefährlich werden. Ach so, nicht dass da Verwechslungen aufkommen, das war schon am 4 April 2022.

Aber sollten wir nicht sehr viel großzügiger sein? Wir schauen ja sonst auch nicht so genau hin – obwohl wir direkt davor sitzen, wir werden von bunten Bildchen zu allerlei verführt und haben keinen blassen Dunst, was im Untergrund abgeht. Für gewöhnlich klopfen wir an, begehren wir Einlass. Nur Verbrecher, Geheimdienste und Cyberclowns packen ungefragt zu. Liegt uns die Sicherheit am Herzen, dann wäre es sinnvoll ungebetene Gäste hinauszukomplimentieren.

Einfacher gesagt als… getan? Das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) hat genauer hingesehen, was die Untergrundkämpfer von Microsoft wissen wollen. Die Spionagefunktion aus Redmond heißt „Telemetrie“, Microsoft behauptet dreist, ihr Windows würde sonst nicht funktionieren. Besonders ärgerlich: Wir sollen nicht erfahren, was über den großen Teich gemeldet wird. Das ist wohl besser, denn es ist alles, was wir mit unserem PC anstellen können. Und der ist vom ersten bis zum letzten Bit erfasst, inklusive der oder dem, was gerade draufblickt.

Um einen leichten Brechreiz auszulösen, bei dem Gedanken nackt in Redmond zu stehen, muss uns nicht mal eine Telemetrie-Intoleranz attestiert werden. Erhöhter Blutdruck und dieses Gefühl ausgeliefert zu sein, wie die Ukraine Russland, treibt nicht nur Choleriker in Höchstform – nur den Computer können wir schlecht erschiessen. Hilfreicher scheint der diplomatische Weg, gepaart mit etwas Geschicklichkeit könnten wir wieder Herr im Haus werden, ohne den Blechtrottel mit Waffengewalt nieder zu zwingen.

Auf der obersten Ebene, wo wir glauben mit Microsoft reden zu können, da lassen sich Funktionen deaktivieren. Sieht gut aus und wir geben einen Vertrauensvorschuss – der natürlich enttäuscht wird, wenn wir unter die Haube sehen. Müssen wir nicht selbst tun, den Job hat hat das BSI für uns erledigt, denn auch all unsere Behörden, Schulen und Universitäten posaunen vergnüglich ihr persönliches Nutzungsverhalten heraus. Wer wissen will, wo was verschwindet, der findet es beim BSI hier.

Packen wir zusammen, was dort lesenswert für uns ist, dann sind das diese Server :

127.0.0.1 geo.settings-win.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 db5-eap.settings-win.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 settings-win.data.microsoft.com
127.0.0.1 db5.settings-win.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 asimov-win.settings.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 db5.vortex.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 v10-win.vortex.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 geo.vortex.data.microsoft.com.akadns.net
127.0.0.1 v10.vortex-win.data.microsoft.com
127.0.0.1 v10.events.data.microsoft.com
127.0.0.1 v20.events.data.microsoft.com
127.0.0.1 us.vortex-win.data.microsoft.com
127.0.0.1 eu.vortex-win.data.microsoft.com
127.0.0.1 vortex-win-sandbox.data.microsoft.com
127.0.0.1 alpha.telemetry.microsoft.com
127.0.0.1 oca.telemetry.microsoft.com
127.0.0.1 ceuswatcab01.blob.core.windows.net
127.0.0.1 ceuswatcab02.blob.core.windows.net
127.0.0.1 eaus2watcab01.blob.core.windows.net
127.0.0.1 eaus2watcab02.blob.core.windows.net
127.0.0.1 weus2watcab01.blob.core.windows.net
127.0.0.1 weus2watcab02.blob.core.windows.net

Erinnert dieser vorbereitete Aufbau an das, was unter Vollgas aus Russland zu finden war? Da gab es die Möglichkeit die Schnüffeldienste aus der Werbung über die Datei „hosts“ geschmeidig gegen die Wand laufen zu lassen. Wird ein cholerischer Telemetrieallergiker aufatmen, wenn er diese hübsche Sammlung zu den Schnüffeldiensten packt? Ja, aber nur wenn er die scharfen Waffen weglegt, es könnte zu Überreaktionen kommen, die einen Nervenzusammenbruch auslösen, besser jetzt die Topflappen holen.

Kurzum, es funktioniert. Dennoch hat der Feind üble Waffen im Gepäck, gegen die wir (fast) machtlos sind. Nach kurzer Zeit funkt unser Rechner nämlich wieder, so, als hätten wir nichts getan. Ein stumpfes Schwert in der Hand müssen wir mit ansehen, dass die Bedrohung nicht abgenommen hat. Was wir mit Herrschaftswissen und Hausrecht (vulgo mit Administratorenrechten) sowie mit dem unteilbaren Recht auf Selbstverteidigung umgesetzt haben, wird von den Diktatoren in Redmond nicht toleriert.

Der Defender aus dem Windows-Paket (der übrigens bessere Arbeit leistet, als Schlangenöl zerstört mit unnachgiebiger Brutalität unsere Einträge – wenn sie ihn stören, weil für ihn lebenswichtiges Nutella ausbleibt. (Anmerkung: wer auf die Idee kommt „facebook.com“ einzutragen, der wird auch abgeschossen, alles andere geht durch, so wie es den Diktatoren eben gerade gefällt.)

Microsoft bietet in besonderen Fällen für Behörden und Firmen (gegen einen unbedeutenden Aufpreis) einen Waffenstillstand an, für kleine Unternehmen oder gar Privatleute gibt es keine Gnade. Der Choleriker mit einer ausgeprägten Telemetrie-Intoleranz braucht jetzt die Topflappen, um die heiße Kiste aus dem Fenster zu werfen. Wer den Feind nicht so brutal abschlachten möchte, dem bleibt die Chance in ein Drittland auszuweichen, sofern er eine FritzBox sein eigen nennt. Er setzt die genannten Einträge dort auf die Blacklist. Die Untergrundkämpfer aus Redmond können dagegen nichts tun, denn da sind wir Herr im Haus. (Ach so, für die Feiglinge: Updates und Sicherheit von Windows sind trotz unserer Gegenwehr nicht betroffen.)

Ja, es mag der eine oder die andere laut aufschreien, Mircosoft mit Russland gleich zu setzen – stimmt. Was sind schon ein paar überflüssige Daten gegen das Leid der Soldaten und Menschen in diesem Krieg. Aber unsere Widerstandskraft ist in diesem Rahmen sehr viel schwächer ausgeprägt, als es in der Ukraine der Fall ist.

Das Gas aus Russland fließt, nur wollen wir es nicht – und das ist unser Problem. Den Preis der Abhängigkeit sehen wir an jeder Tankstelle. Warum müssen wir eigentlich immer draufzahlen? Was das Gas wert ist, das spüren wir soeben – welchen Wert unsere Daten haben, wollen wir nicht wissen, nicht jetzt.

Elon Musk hat gerade für 40 Milliarden Twitter gekauft, eine Investition in die Zukunft. Er hätte es ja auch der Ukraine als Militärhilfe spenden können…

… hat er aber nicht.

Über den/die Autor*in: Christian Wolf

Christian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geographie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digtalpurist)

7 Kommentare

  1. w.nissing

    Mal ne Frage in die Runde, warum tut ihr euch eigentlich dieses Windoofsgedöns an. Zieht euch doch einfach eins der populären Linuxe auf einen USB und klebt das einfach mal parallel auf die Festplatte…..
    Es werden doch die wenigsten mit irgendwelchen Spezialprogrammen arbeiten die es nur für MS gibt und wenn, dann kann man da ja immer noch in einer Sandbox laufen lassen. Ich habe noch nie (außer mit win 95 2 jahre, aber da gab es ja auch noch kein Linux) ein MS auf der Platte gehabt.

  2. Martin Böttger

    Der Beueler Extradienst wurde mit Linux gebaut, wird damit repariert und – überwiegend – auch geschrieben ;-) Im öffentlichen Dienst dagegen wird mehrheitlich mit Microsofts Windoof gearbeitet. Dort haben sich frühe ahnungslose Verantwortliche bei Vertragsverhandlungen über den Tisch ziehen – vielleicht in Einzelfällen auch entlohnen – lassen. Und wenn Du das dann endlich gemerkt hast, versuch’ mal da wieder rauszukommen. In München wissen sie mehr. Es ist imgrunde wie mit unserem Stadthaus. Jetzt steht es da, mit Verwaltung drin (Windoof auch, so weit ich weiss, oder wurde da schon was dran geändert?). Und nun?

  3. w.nissing

    Meines Wissens gibt es in D keine öffentliche Verwaltung mehr, die Linux (außer auf Servern) im Desktop ein setzt. Ich weiß nur vom Ausland in F die Gendarmerie und in Katalonien z.B. die Stadtverwaltung von Barcelona.
    Für den gewerblichen Nutzer ist Linux ja auch nicht per se billiger aber imho sicherer. Für den Privatanwender ist es aber sicherlich billiger und sicherer. Ich hatte in meinen fast 25 Jahren Nutzung noch keinen Absturz bzw Datenverlust und könnte wenn ich wollte noch meine Disketten lesen :) Irgendwie will ich die nicht weg werfen :)))

  4. Christian Wolf

    An Windows geht kein Weg vorbei und da wo es versucht wird, da wird es teuer. Erst für Microsoft, denn Lobbyarbeit gibt es nicht umsonst, das holen die aber locker wieder rein.

    Angeführt werden immer wieder die Fachanwendungen, die nicht auf anderen Systemen laufen. Die sind teilweise so alt, dass sie vor Jahr und Tag auf Windows angepasst werden mussten. Eigentlich wäre es sinnvoll das alles neu zu schreiben und gleich so, dass es auf allen Betriebssystemen laufen kann. Und auch als OpenSource, um zu ermöglichen, dass wenn ein Anbieter abspringt ein anderer weiter machen kann. Geld lässt sich damit auch verdienen, OpenSource ist ja nicht umsonst, im Sinne von Freibier.

    Vor allem Kompetenz und know-how blieben im Lande und es würde hier weiter entwickelt. Was dagegen spricht? Ganz einfach, Entscheidungsträger geben ihr Problem gern bei Google ein und nehmen den ersten Treffer. (Das war jetzt kein Sarkasmus, sondern aus der realen Welt)

    Wenn die ein Programm kaufen wollen, das eine Datei von A nach B kopiert, dann machen die das nicht unter quantengestützer KI, abgesichert durch eine Blockchain. Da verstehen die kein Wort von, teuer ist es auch und das hat eine so lange Entwicklungszeit, dass die mit den Anwendungen weiter machen können, die schon seit 20 Jahren veraltet sind – aber es muss nix verändert werden. Zu Not werden die freien Parkplätze vom Parkleitsystem durch Praktikanten händisch eingegeben (Frankfurt).

    Das große Schwert der Damokles schwebt derweil über jeder Behörde, die die elektronische Akte einführen müssen. Die kommen über die Projektgruppe, die klären soll, welche Aufgaben den Büroboten zugewiesen werden kann, wenn ihnen die E-Akte alle Arbeit nimmt, nicht hinaus. Und erst wenn das geklärt ist, kaufen die ein Programm, das mit quantengestützer KI, abgesichert durch eine Blockchain… – gut, das war jetzt Sarkasmus, von der realen Welt nur durch ein Blatt Papier getrennt.

    Aber jeder Privatanwender, gleich mit welcher Ambition er seinen PC prügelt, gleich welchen Alters und Vorbildung ist mit Mac und Linux besser bedient. Teurer ist nicht, eher das Gegenteil Nur dem Umgewöhnungsprozess muss der Schrecken genommen werden. Aber das ist ganz einfach, weil es einfach ist…

    Wer will, der kann sich hier melden, dem nehme ich die Angst….

    Christian Wolf

  5. Der Maschinist

    Nur als Ergänzung zu Martin: Der Extradienst wird, wie über 90% der Webseiten im Internet natürlich auch auf Linux gehostet. Wenn sie ein Android Telefon/Tablet benutzen, dann ist da Linux drin. Genau so wie in ihrem SmartTV und in ihrem Kühlschrank, sollte das einer der neuzeitlich “intelligenten” sein. Die Liste ist unendlich…

    Und wenn sie “Angst” vor der Umgewöhnung haben, dann geht auch das: https://www.chip.de/news/Dreiste-Kopie-Windowsfx-11-Linux-kopiert-jetzt-Windows-11_182849220.html (Wobei ich dieses Linux Aroma ausdrücklich NICHT empfehle sondern eher LinuxMint oder das seit Jahren von mir und Martin benutzte Kubuntu.)

    Übrigens: SUPER Beitrag, Christian! :-)

  6. w.nissing

    Na ja Mac…. okay da ist das Essen schöner angerichtet und die Matratzen sind mit seidenen Bettlaken bezogen, Freigang gibt es aber auch nur für die die Tunnel graben können. Der Rest muß in der Zelle bleiben, halt Jailhouse rock :) . Bei den betagteren Knechten (die aber ja durchaus noch ihren Dienst verrichten könnten) gibt es auch keine Krücken mehr und es droht die elektronische Euthanasie.

  7. Christian Wolf

    Also der Mac hat auch eine BSD-Linux unter der Haube und wenn ich da was in meiner „hosts“ ändere, dann bleibt das da.

    Anders als bei den Androiden kann ich problemlos meine eigenen Server für Adressen und Kalender wählen, ohne auf Drittsoftware angewiesen zu sein – und auch dann greift Google meine Daten ab. Beim nächsten Update ist das vielleicht wieder da, wo es Google haben will oder auch mal beim Hersteller (Samsung). Da ist – jetzt ganz ohne Apple über den Klee zu loben – der Mac für mich einfach praktischer.

    Letztlich ist der Mac, weil Hard- und Software gemeinsam entwickelt werden, ein rundes Paket.

    Linux ist auch auf dem Desktop ein sehr stabiles (und sicheres) Instrument für den Alltag.

    Der Umstieg ist auch ohne Windows-Fake einfach, vor allem wenn im Vorfeld unter Windows OpenSource Alternativen (LibreOffice, Firefox etc) genutzt werden.

    Persönlich fahre ich seit langer Zeit Suse und Debian und das harmoniert auch mit den Macs und auf iPhone/iPad.

    Wer sich ein Linux auf einer alten PC-Mühle, die im Keller steht und noch ein XP hat, installieren will, der wird natürlich nicht viel Freude haben. Auch Linux macht mehr Spaß mit mehr Dampf unter der Haube – dann sind auch die Ergebnisse vergleichbar – schneller ist es allemal, denn für Linux (und Mac) braucht es kein Schlangenöl. (Aber für den Mac wird es völlig funktionslos sogar angeboten, weil die Umsteiger das von Windows kennen)

    Oder kürzer: einfach mal machen, Linux beißt nicht…

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