Stanislaw Petrow – er starb übermorgen vor 5 Jahren

Schon oft war er Gesprächsthema in meinem Freund*innen*kreis. Aber immer war die Erinnerung unpräzise. Alle konnten sich erinnern, dass da was war. Aber wann genau? Wer? Unter welchen Umständen? Was wurde aus ihm? Leo Ensel/telepolis hat ihn 2016 noch persönlich aufgesucht, und erinnert hier anrührend an diesen Helden.

Ensel schreibt, “von einem dänischen Regisseur waren er und seine Geschichte wie eine Goldmine zynisch ausgebeutet worden”. Das kann ich natürlich nicht beurteilen oder nachvollziehen. Vorstellen kann ich es mir durchaus; es wäre typisch für den real existierenden Medienbetrieb unserer Zeit. Ich habe den Film des Dänen Peter Anthony (Mediathek bis Ende 2023) bei seiner TV-Erstausstrahlung gesehen, und erst dadurch von dem Vorgang, dem wir alle unser heutiges Leben verdanken, erfahren.

Die dort und auch bei Ensel erzählte Geschichte wirkt unglaublich, unwirklich, aus einem SF-Roman oder einer anderen Welt. Doch die Tatsache, wie bescheiden es Towarisch Petrow an seinem Lebensabend ging, spricht eher dafür, dass sie stimmt, als dass sie gut erfunden ist. Ich mutmasse, dass es vor ihm und nach ihm einige Fälle dieser Art gegeben hat. Nur haben die politischen Verursacher und Verantwortlichen kein Interesse, sie breit zu treten, und haben die anderen Held*inn*en mit grosszügigen Geldgeschenken vom Berühmtwerden abgehalten. Sonst könnten internationale Völkermassen auf dumme Ideen wie diese kommen.

Seit Ende der 50er Jahre lebt eine gigantische Ökonomie und einige superreiche Oligarchen in den USA, Westeuropa, Russland und China prächtig von diesem angeblichen Gleichgewicht des Schreckens. Und nicht auszudenken, auf welche Ideen ihre Untertanen kämen, wenn sie keine Angst mehr hätten.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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