Ein netter Nachbar hat kürzlich einen jungen Kirschbaum in unserem Abstandsgrün gepflanzt und pflegt ihn liebevoll. Bei meinen Grosseltern im Nachkriegsbehelfsheim in Glinde bei Hamburg war er der Schönste im prachtvollen Garten. Und auch im elterlichen Garten (mit Parkausmassen, Etagenwohnung in einer ehemaligen Zechendirektorenvilla), war er der Schönste und Leckerste: der Kirschbaum, und zwar SÜSSkirschen! Mir blieben leider immer nur die, die runterfielen. Die meisten holten sich die Vögel.

Darum bin ich frühkindlich auf die Verkaufspreise von Süsskirschen eingestellt. Sie sind nah an Juwelen. In der kurzen Zeit, in der sie im Bioladen angeboten werden, kaufe ich immer nur eine Handvoll. Höchstens zwei. Viele sind dann bereits aufgegessen, bevor ich mit dem Einkauf zuhause ankomme. Wie mit Walter Benjamins frischen Feigen, nur nicht so matschig.

Ich mutmasse, dass die real existierende Landwirtschaft längst Kirschbäume gezüchtet hat, die sich besser für die Ernte durch Menschen und Maschinen eignen, als ich es in meiner Kindheit erlebt habe. Doch, dä! Mit denen geht es auch nicht mehr weiter, wie in einer eindrücklichen taz-Reportage von Andreas Thamm nachzulesen ist.

Politische Ökonomie der Liga

Marco Bode, Idol unserer Oberbürgermeisterin und ihres Gatten, langjähriger Aufsichtsrat von Werder Bremen, erklärt der taz, warum er aufhört. Es ist eine ähnliche Analyse, wie sie schon Max Eberl ökonomisch und persönlich getroffen hat. Eine abgehobene Super-League der Super-Duper-Geldsäcke wäre für die Bundesliga gar nicht mal die schlechteste Lösung. Und wenn sie es nicht tun, ist die Zweite Liga eben interessanter als die Erste. Sogar die Dritte, in die jetzt RW Essen aufgestiegen ist, bietet interessanteren Sport.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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