Benjamin Piel, Chefredakteur des “Mindener Tageblatts” ist mir schon mehrmals in was-mit-Medien-Zusammenhängen als reflektierter Typ aufgefallen – jedenfalls für die Verhältnisse regionaler Presseverlage. So jetzt zum wiederholten Male mit seinem Text in der DJV-Verbandszeitschrift “journalist” mit der rhetorischen Frage: “Läuft die Durchökonomisierung journalistischer Inhalte heiß?”. Meine Antwort: what is the news?

Mag sein, dass er ein PR-intelligenter Ehrgeizling ist, ich kenne ihn nicht. Tatsache ist: er hat recht. Warum? It’s the economy, stupid! Private Verlagsunternehmen, ob gross oder klein, wollen im real existierenden Kapitalismus wie jedes Unternehmen Profit/Rendite erzielen. Diesem Motiv muss sich die Strategie unterordnen und widmen – sonst funktioniert das Unternehmen nicht. Die Grundsatzfrage für eine Demokratie ist in diesem Zusammenhang: soll die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit diesem ökonomischen Mechanismus ausgeliefert und untergeordnet werden? Klare Antwort: Nein. So entstand schon bei der Gründung der West-BRD 1949, “aufgezwungen” durch die britische Besatzungsmacht, der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Gegengewicht.

Seit 1949 hat sich der real existierende Kapitalismus, besonders der Medien-Kapitalismus revolutionär, “disruptiv” weiterentwickelt. Profitorientierte Digitalplattformen, in diesem Blog konsequent asoziale Netzwerke genannt, dominieren den “Markt”, der schon lange nicht mehr “frei”, sondern vermachtet war und ist. Die aktuelle Problemlage ist der “tendenzielle Fall der Profitrate”, insbesondere was qualitätsorientierten Journalismus, und hier insbesondere lokalen (Markt zu klein) und internationalen (zu teuer) betrifft. Ich bin dafür, dass die Demokratie diese Art Journalismus sichert, also für seine Finanzierung sorgt. Das ist im besten Sinne gemeinnützig, und darf dem Markt so wenig überlassen bleiben, wie z.B. das Wohnen.

So lange das nicht so ist, müssen wir uns mit den vielen Blogs begnügen, wie dieser ein klitzekleiner ist. Profit spielt hier keine Rolle. Noch nicht einmal Geld. Alle Autor*inn*en schreiben, weil sie es richtig finden, was sie tun, und worauf sie aufmerksam machen wollen. Das Lesen ist freiwillig und kostet nichts.

Eine kleine Akupunkturnadel gegen die real existierende Propagandamaschine einst und heute – Dank an Küppis Team für diese starke Recherche. Bei “Biafra” 1967 war ich 10, und weiss genau, wie perfekt es gewirkt hat.

Die Verwertung ruiniert den Fussball

Jetzt ist die Jahreszeit und das Wochenende, an dem gewöhnlich das Eröffnungsspiel einer WM oder EM stattfände. Ich würde mich mental auf den Besuch meiner Fussballkneipe in Beuel vorbereiten, auf ein lukullisch gut versorgtes TV-Glotzen auf der Aussenterrasse mit dem Kennenlernen immer wieder neuer Fangruppen aus aller Damen und Herren Länder. Fällt dieses Jahr aus. WM ist im Winter, weil in Qatar. Der sachkundige FAZ-Redakteur Rainer Hermann widmet dem steinreichen Besitzer und Chef dieser Firma, die aus unerfindlichen Grünen allgemein als “Staat” bezeichnet wird, in seinem sympathiegeschwängerten Porträt einen für mein Empfinden guerillaartig-tödlichen Satz: “Die Unterstützung, die Qatar der Hamas in Gaza zuteilwerden lässt, geschieht jedoch in enger Abstimmung mit Israel.” Dä! “Israel – Hamas – Israel” in einem Satz. Da muss mann erstmal drauf kommen. Da frage ich Sie: wer will solchen Fussball sehen?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net