Und: Wundersame Bahn CXXIV

Welche Verkehrsminister*innen machen eigentlich ihre Arbeit? Hendrik Wüst jedenfalls, von Reinhard Olschanski eben für irgendwas empfohlen, hat sie 2017-21 auch nicht gemacht. Oder auf welche Ideen kommen Sie, wenn Sie das lesen? Und während Bayerns Landesregierung der Arsch wg. der “zweiten Stammstrecke” in München auf Grundeis geht (die Originalberichte sind bei der SZ alle eingemauert), haben sie auch im in Kürze wählenden Niedersachsen eine beliebtes Diskussionsthema.

Ich habe zuwenig Ortskenntnis für ein eigenes Urteil. Monster-Neubauprojekte (s. Stuttgart, s. München) erfreuen immer die Baukonzerne. Noch eine Infrastruktur zu einer, die schon da ist? Wir in Beuel wissen: auch ein zusätzliches S-Bahngleis kann die Zeit einer Menschengeneration in Anspruch nehmen. Und führt am Bhf. Beuel zu formschönen Holzinstallationen, die viele gar nicht so gerne begehen, bzw. ersteigen wollen … Ich fuhr noch von Beuel bis Lecce (Athen oder Barcelona war auch möglich). Jetzt wäre ich froh, wenn ich bis Ehrenfeld komme.

Das Schiff

Ein Freund, der kein Freund der gegenwärtigen “wertegeleiteten” Aussenpolitik unser aller Regierung ist, empörte sich gestern bei mir: “auf die von Scholz getätigten Flüssiggas-Vereinbarungen mit den arabischen Unrechtsstaaten anstoßen …. oder was?” Seine Aufregung scheint mir übertrieben, wenn Knut Mellenthin/Junge Welt richtig gelesen hat. Ein Schiff! War das den Reiseaufwand all dieser wichtigen Machtmänner wert? Vom ökologischen Fussabdruck ganz zu schweigen. Und dann noch mit einem frisch infizierten Kanzler? Das hätte er alles auf der Wiesn in München haben können. Da werden solche Deals in den Bierzelten gemacht.

So ein einzelnes Schiff kann doch eine Greenpeace-Lokalgruppe ganz alleine aufhalten. Die Emire am Golf sind zwar menschenrechtsverachtende Arschlöcher, aber doof sind sie nicht. Herbert Reul würde es “Clankriminalität” nennen. Der Bundeskanzler schüttelt lieber die Täterhände, wie es schon Robert Habeck vormachte. Die Emire wissen genau, wie es denen geht und was sie wollen.

Das Geschäft und die grossen Deals werden anders laufen. Deutschland als Kaufkräftigster von allen (noch) ersteigert sich die Schiffsladungen während ihrer Fahrt, zur Not auch anderen vor der Nase weg. Wenn erst die deutschen LNG-Terminals fertig sind. Ganz so, wie es unsere Regierungen schon mit den Impfpatenten gemacht haben. Da kennen Germanen keine Verwandten, auch in der EU nicht. Das sind die Dinge, die uns Deutsche in aller Welt so beliebt machen, wie wir sind.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net