Ob Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine noch zusammen sind, darüber widersprechen sich meine Quellen. Darunter die, die mir von dieser Liaison rund zwei Jahre früher berichtete, als sie von den beiden veröffentlicht wurde. Einerseits ist das Tratsch. Andererseits aber politisch nicht irrelevant, vor allem für die persönliche Entwicklung dieser beiden wichtigen Figuren des öffentlichen Lebens. Beide haben nachhaltig dazu beigetragen, politische Hoffnungen zu wecken, als auch wieder zu zerstören. Und das in atemberaubender Geschwindigkeit. Dass zwei Personen, ob einzeln oder als Paar, das so stark beeinflussen können, sagt auch was über die substanzielle Schwäche der davon betroffenen Organisationen.

Seit längerem halte ich Oskar Lafontaine für einen verbitterten altersstarrsinnigen politischen Akteur, der tatsächlich – mehrmals – stark aufgestiegen und dann schnell wieder “gefallen” ist. Sein Selbstbild als immer konsequent und geradeaus ist in seiner Selbstbezüglichkeit und Weltfremdheit bemitleidenswert. Jeder Mensch entwickelt und verändert sich im Laufe seines Lebens – wenn nicht, ist er ein pathologischer Fall.

Politisch werde ich Oskar Lafontaine in diesem Leben nicht mehr verzeihen, dass er als saarländischer Ministerpräsident und Anführer der Sozialdemokraten im Bundesrat an der Entkernung des Grundrechtes auf Asyl (Art. 16 Grundgesetz + 16a) nicht nur als Mitläufer, sondern führend und steuernd mitgewirkt hat. Als er später als Linksparteiführer im Osten seine berüchtigte “Fremdarbeiter”-Rede hielt, kam dieses Welt- und Menschenbild erneut zum Vorschein. Ich nahm persönlich als Gast an einem Parteitag der NRW-Linkspartei in Essen teil, bei dem er kritisch zu diesen Äusserungen befragt wurde. Dabei wurde jeder*m klar: ein Lapsus war das nicht. Das war der Oskar, wie er die Welt sieht.

Jetzt reicht es aber an Distanzierung.

Die Kollegen vom overton-magazin veröffentlichen einen Auszug aus Lafontaines Buch “Ami, it’s time to go – Plädoyer für die Selbstbehauptung Europas”. Dieser Titel klingt mir klassisch sozialdemokratisch, der Untertitel von der “Selbstbehauptung” könnte auch von Lars Klingbeil sein, und klingt verdächtig nach dem altdeutschen Bestreben, auch eine Atommacht zu werden, um mit den “Grossen” im UN-Sicherheitsrat mächtig mitspielen zu dürfen. Ich habe das Buch nicht gelesen. Mit dem Auszug bei overton kann ich allerdings mitgehen: Gedanken zum Krieg – Die Entspannungspolitik Willy Brandts ist am Ende, ein neues Zeitalter der Aufrüstung und Eskalation hat begonnen. ‘Von deutschem Boden darf niemals wieder Krieg ausgehen’, sagte Brandt einst – heute werden weitere Waffenlieferungen in die Ukraine damit begründet, dass deutsche Waffen Menschenleben retten.”

Diese Gedanken sind mir inhaltlich wichtig genug, um das hier geschrieben zu haben.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net