Die ARD spielt sich bei der WM Knoten in die eigenen Beine

mit Update am Vormittag: Minus 17 Mio.

Sie konnten nachlesen, wie ich das grandiose 1:2 des DFB gegen Japan verbracht habe. Als ich in den Nachrichten das Endergebnis vernahm, konnte ich nicht anders, als die Glotzkiste einzuschalten – ich wollte einfach all die langen Gesichter sehen. Denn für alle, die zu sehen sind, nicht nur “die Mannschaft”, läuft das Geschäft schlecht, wenn der DFB schlecht spielen lässt.

So studierte ich die Nachbereitung in der ARD. Ihre sog. Expert*inn*en sind einerseits gut gewählt: Almuth Schult, Thomas Hitzlsperger, ein sog. “Schweini” und als Neuerwerbung Sami Khedira – einer der Chefs (auf dem Feld!) der Weltmeister von 2014. Es stellte sich heraus: der Neue war allen andern weit überlegen: topvorbereitet, mit analytischer Tiefe, und Kenntnis aller Spieler und Teams, sowie ihrer Spielweise. Warum die ARD vier davon beschäftigen muss, wird nicht ersichtlich. Niemand von denen wird preisgünstig sein.

Am abwegigsten ist der Einsatz des Schein-Prominentesten, des Herrn Schweinsteiger. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender ist es grundsätzlich schon abwegig, seine Zuschauer*innen mit Werbeblöcken zu beballern. Was überhaupt nicht geht, ist, dass die gleiche Person im Werbeblock und im redaktionellen Teil gleichzeitig Honorare abkassiert. “Schweini” ist ein Gesicht für dick und süchtig machende Kartoffelchips. Dann schickt ihn doch bitte zum Privatfernsehen.

Was ebenfalls überhaupt nicht zumutbar ist, dass die ARD ihre Werbeeinnahmen von der Wettmafia kassiert, die ausgiebig Spots gebucht hat. Gleichzeitig setzt sie in ihrer katarkritischen Berichterstattung einen der qualifiziertesten Kritiker dieses kriminellen Wirtschaftszweiges ein: Benjamin Best. Warum lässt sie ihn arbeiten, sich aber nicht von ihm beraten? Was ist das für eine Corporate Identity? Ich würde es nennen: Selbstzerstörung.

Update vormittags

Minus 17 Mio.

9,2 Mio. sollen BRD-Japan geguckt haben. Das ist ungefähr das Niveau des Köln-Tatorts (mit weit mehr Konkurrenz auf anderen TV-Kanälen), und weit entfernt von dem aus Münster (der 4-5 Mio. mehr lockt). Gegenüber dem Auftaktspiel des DFB 2018 in Russland – an einem Sonntag um 17 h – ist das ein sattes Minus von rund 17 Mio.! Das vorentscheidende Spiel gegen Spanien am Sonntag 20 h wird mutmasslich der Höhepunkt der Einschaltquotenherrlichkeit dieser verkorksten Fifa-WM.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net