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Unsere längste Serie – bedroht?

Wundersame Bahn CLVII

Schon Wiglaf Droste (selig) wusste: der qualifizierteste Journalismus der taz findet sich, wie könnte es anders sein, im Ressort “Wahrheit”. Auch dort wurde er in den Nullerjahren freilich gefeuert. Dort ist nun eine Investigativ-Recherche von Volker Surmann, ein ostwestfälischer Landsmann von Droste, erschienen, die unsere Serie “Wundersame Bahn” durch Zensur bedroht erscheinen lässt: Zwei Jahre Gefängnis für Wutheuler – Bahn-Bashing soll von der Bundesregierung verboten werden. Die Deutsche Bahn jubelt, die Bahn-Fluencer sind fassungslos. Ein Unfallbericht.” Doch dafür ist diese Zensurstrategie noch nicht clever genug.

Wie immer laufen alle Zensurversuche “der Musik” um ein paar Jahre hinterher. “Bahn-Bashing” löst in den Fachkreisen, in denen ich verkehre, nur noch nachhaltiges Gähnen aus. Inzwischen mehren sich sogar Fälle, in denen Züge als “fällt aus” gemeldet werden, um dann – selbstverständlich an einem anderen Bahnsteig – doch aufzutauchen. Das dürften die erste KI-Phänomene bei der modernen DB sein.

Originell, neu und aktuell sind nur noch Geschichten davon, dass etwas – oder sogar alles – geklappt hat. Was selten ist, ist wertvoll. Und wenn Sie Stammleser*in unserer Serie sind, wissen Sie: alles nicht nur wahr, sondern auch belegbar: durch benennbare weitere Fahrgäste oder DB-Mitarbeiter*innen. Wir schrecken auch vor Lob nicht zurück. So soll und wird es bleiben.

Surmanns Geschichte scheint mir eher eine Metapher über die Entwicklung der Wahrheitsfindung im gegenwärtigen Politikjournalismus. Da ist er mit dem Kern seiner Story näher dran, als an der Bahn und uns Benutzer*inne*n. Wenn Sie noch “Zeitungen” lesen, oder gar TV-Talkshows gucken, wissen Sie, was ich meine. Gucken Sie doch stattdessen besser “Eisenbahnromantik” – da gibts nur harte Fakten.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. Helmut Lorscheid

    Genau wir loben auch. Hier jetzt: Lob! – ich habe es selbst erlebt – der RE 5 nach Wesel fuhr vorgestern wirklich um 7.04 h ab und nicht nur das, wirklich! Er war sogar schon um 7.02 eingefahren. Ich weiß wie unwahrscheinlich das klingen mag. Aber es stimmt. Wirklich.
    Und wenn Ihr anderen Bahnfahrgäste das nicht glaubt, dann fragt doch die anderen Fahrgäste. Die haben sich auch gewundert. Und gefreut. Alle, also die die sonst auch schon mal damit fahren. Die neuen Fahrgäste haben das für “normal” gehalten. Aber die sind ja noch unerfahren…

    • w. nissing

      Bist du sicher, das das der war von dem Tag und nicht die Verspätung vom Vortag?

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