In meiner Kindheit war das wichtigste Medium das Antennenfernsehen. Es gab zwei Programme zur Auswahl, später drei. Im Ersten Programm lief zwischen 18 und 20 h ein regionales Werbefernsehen, immer nur im jeweiligen Gebiet empfangbar. Serien des NDR sah ich also nur, wenn ich in den Ferien bei den Grosseltern in Glinde (bei Hamburg) war. So lernte ich u.a. “Hamburg Transit”, “Kommissar Freytag” oder “Hafenkrankenhaus” kennen. Der NDR wiederholt die alten Sachen nachts im Dritten. Warum er sie nicht in die Mediathek stellt – ich weiss es wie immer nicht, und kann nur mit dem Kopf schütteln …
Alle Serien sind kleine Minikrimis von 25 Minuten – 5 Minuten waren für Werbung eingeplant. Sie dienten als Lockstoff für die regionalen Informationsmagazine davor oder danach. Aus heutiger Sicht sind sie aufschlussreiche Zeitdokumente, die unbedingt in die Mediatheken unserer öffentlichen Sender hineingehören.
“Hamburg Transit”, damals schon in Farbe, zeigte im Vor- und Abspann das Selbstbild der Stadt Hamburg (“Tor zur Welt”) als Mobilitätshauptstadt der BRD. Die Fälle in den einzelnen Episoden hatten damals schon einen gemässigt sozialkritischen Einschlag und behandelten diverse Phänomene und Probleme des seinerzeitigen Wirtschaftswunderlandes (Drehbücher: Irene Rodrian u.a.). Der Hafen fungierte kontinuierlich als bildstarke Kulisse bei den Aussendrehs.
So auch im schwarz-weiss gedrehten “Hafenkrankenhaus”. Es wird heute als “erste Krankenhausserie” des deutschen TVs angesehen. Allein vom Ansehen der damaligen Schreibtischstühle können heutige Zuschauer*innen Rückenschmerzen bekommen. Besonders aufschlussreich: das Frauenbild. Die Hauptrolle spielt Anneli Granget, attraktiv (essgestört?) und lieb zu allen, Vorgesetzten wie Patient*inn*en. Im wahren Leben hat sie es leider nicht lange ausgehalten, und starb schon 1971 durch Suizid. Sie war mir seinerzeit nicht in Erinnerung geblieben – nun war ich nach minutenkurzer Wikipedia-Recherche angemessen schockiert.
Ein langes Leben gelang den Mächtigen in den Produktionsverhältnissen dieser Serien. Das war der Produzent Gyula Trebitsch und die NDR-Redakteurin Helga Mauersberger.
Problemkind NDR
Damals war der NDR eine produktive und publikumsattraktive Produktionsmaschine. Was ist davon heute noch übrig? Der Papa der heutigen EU-Flinten-Uschi, Ernst Albrecht, hatte ihn – zusammen mit CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf – fast sturmreif geschossen (“Rotfunk”). Die SPD reagierte, wie sie es immer tut. Heraus kam ein Staatsvertrag, der nun für weitere Schwächung des Senders sorgt. Gerade eben ist eine Intendantinnenwahl gescheitert.
Mit aufsehenerregenden Inhalten ist der Sender schon lange nicht mehr aufgefallen. Die fabelhafte Ina Müller und ihr Produzent Reinhold Beckmann sind ja nun auch nicht mehr so jung … Die ARD-interne Machtposition des NDR ist der Stammsitz der ARD-aktuell-Redaktion (Tagesschau, Tagesthemen), die ihre einstige inhaltliche Autonomie, begünstigt durch Hamburgs Distanz zu den Bundeshauptstädten (einst Bonn, heute Berlin), weitgehend aufgegeben hat. Ansonsten glänzt er als Talentschmiede von Wegmoderierern (Talkshows, Quizshows, Sport etc.). Arm.
> Warum er sie nicht in die Mediathek stellt – ich weiss es wie immer nicht,
Wiederholungshonorare?
Die meisten, die die Arbeit gemacht haben, sind schon tot, Aber möglich, dass irgendwelche Firmen was geerbt haben – oder noch schlimmer: Erbengemeinschaften, die Pest des Immobilienmarktes.