Aber noch Hoffnung für den Deutschlandfunk?
Viele Leute meines Alters, ob mit Sym- oder Antipathien, verstehen nicht, wie die Partei der West-BRD, die Christlich Demokratische Union, so weit sinken konnte, wie sie jetzt ist. Beredte Auskunft dazu geben die Reaktionen dieser Partei und ihrer zahlreichen bestbezahlten publizistischen Freund*inn*e*n auf das Berliner Wahlergebnis. Wer das immer noch nicht kapiert, möge sich diesen Windbeutel ansehen. Nur als Tegernsee-Buddy des Bundeskanzlers an sein Staatsamt gekommen.
Mittlerweile hat der Herr selbst eingesehen, dass er eine Fehlbesetzung ist. Das Staatsamt ist schlecht fürs Geschäft. Wie das System seiner und seines Chefs Herrschaftsausübung funktioniert, hat der Kollege Steffen Grimberg/taz verstanden:
“Funkloch: Weimer spricht, aber antwortet nicht – Wolfram Weimer wird zum 3. Oktober eine Rede halten. Republikanischer wäre, er ließe sich herab, Rechenschaft über seine kruden Äußerungen abzulegen.”
Dass mann so Wahlen verliert, ist die gute Nachricht.
Und wenn eine gewählte Volksvertreterin mit 25% im Rücken „innerhalb von 45 Sekunden” eine deutsche Olympiabewerbung “vom Tisch” wischen kann, wie angeblich jetzt in Berlin geschehen (FAZ-Paywall) – was sagt das über die Substanz des gentrifizierungssüchtigen deutschen Olympia-Geschwafels fast aller Parteien in fast allen Bundesländern?
Deutschlandfunk – wackelt die Programmdirektorin?
Selbst Branchengrössen wissen nicht, dass es in Dresden einen Maniac gibt, der einen auf Anfrage kostenlos werktäglich, und zwar schon vor 7 Uhr morgens, mit 80-100 Links aus dem täglichen was-mit-Medien-Wind versorgt. Der Einfachheit halber zitiere ich aus der heutigen Aussendung von Heiko Hilker, der das “Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung” (DIMBB) betreibt, weil es für mich die beste Nachricht des Tages ist:
“Hörfunkrat kritisiert geplante Programmreform beim Deutschlandfunk.
Der Hörfunkrat des Deutschlandradios wirft Programmdirektorin Jona Teichmann fehlende Einbindung und Information bei der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks vor. Gremiumschefin Katrin Hatzinger bemängelt gegenüber “epd Medien”: “Bis heute müssen wir uns jede Information besorgen.” Die Programmdirektion hätte zunächst auch keine Evaluierung für das neue Programm geplant. “Da mussten wir Anschubhilfe leisten”, so Hatzinger. Ab dem 30. November sollen längere Magazin-Strecken die bisherigen Fachsendungen ersetzen. Der Hörfunkrat befürchtet einen Verlust der publizistischen Tiefe und warnt vor einer Abkehr treuer Stammhörer. Das Gremium muss den Reformen nicht zustimmen. Hatzinger hofft jedoch, “dass im Hintergrund noch einige Stellschrauben gestellt werden können”.
https://www.turi2.de/aktuell/hoerfunkrat-kritisiert-geplante-programmreform-beim-deutschlandfunk/
Hatzinger sagte, der Hörfunkrat habe immer wieder Nachschärfungen der Reformpläne verlangt. “Aber die Reform ist, im Gegensatz zu anderen Sendern, nicht von unserer Zustimmung abhängig.” Diese Möglichkeit sehe der Deutschlandradio-Staatsvertrag nicht vor. “Wir können nur unsere Kritik und Bedenken von Hörern weitergeben, uns mit Verbänden austauschen und in die offene Diskussion gehen.”
Hatzinger unterstrich, der Deutschlandfunk verfüge wie kaum ein anderes Medium über eine große Stammhörerschaft. “Es besteht die Gefahr, diese zu verprellen”, warnte sie. Sei diese durch die Reform erst einmal verloren, werde es schwer, sie zurückzugewinnen. In der Programmreform fehle ihr eine Vision, wie diese Stammhörer erhalten bleiben könnten. “Das wird nicht beantwortet”, sagte sie. Die DNA des Deutschlandfunks müsse aber Priorität bei der Evaluierung haben, “damit der Deutschlandfunk nicht eine Infowelle wie viele andere wird”.
Die stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrats, Annette Leßmöllmann, die von der Hochschulrektorenkonferenz in das Gremium entsandt ist, sagte, durch die Fachsendungen gebe es derzeit eine ausgesprochene Vielfalt und Thementiefe im Programm. “Wie wird diese Vielfalt erhalten?” Auf diese Frage habe der Hörfunkrat keine wirklich valide Antwort erhalten.
Der Sender habe bislang immer streng zwischen Tatsachen und Meinung unterschieden, sagte Leßmöllmann. Mit den Plänen, mehr Podcasts ins lineare Programm zu übernehmen, hebe man zwar ein Format ins Programm, das Hörerinnen und Hörer binden könne, aber in den lockeren Podcast-Gesprächen könnten Fakten und Meinungen verschwimmen. “Wie wird da künftig die Trennung garantiert?”, fragte Leßmöllmann.
https://medien.epd.de/article/5245
Hinweis der Redaktion: Wenn nach Monaten der Debatte die Vorsitzende und die stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrates mit einer solchen grundsätzlichen Kritik an die Öffentlichkeit gehen, müsste der Intendant die Reform stoppen.”
Hilkers “Hinweis der Redaktion” füge ich hinzu: wenn die Behauptung “Das Gremium muss den Reformen nicht zustimmen.” zutrifft, würde ich unter den beschriebenen Umständen zurücktreten. Und am besten gleich kollektiv. Oder wie tief kann mann*frau sinken?

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