Warnhinweis: ich nehme Japan nur aus den Medien wahr. Weiterreichende Kompetenz habe ich nicht. Dies vorausgeschickt, ist das Land, im 2. Weltkrieg Bündnispartner des deutschen Faschismus, und bisher einziges Opfer von kriegerischen Atombombenabwürfen, bis heute nicht nur eine Hochburg organisierter Kriminalität, sondern auch eine Hochburg der Bigotterie. Japaner*innen haben besonders wenig Sex miteinander, aber eine umso florierendere Porno- und Prostitutionsindustrie.

Letztere schreckt nicht nur nicht zurück, sie hat es sich zur Gewohnheit gemacht, Minderjährige, Jugendliche, Kinder, Schüler*innen pragmatisch zu integrieren und auszubeuten. Je weniger (Medien-)Öffentlichkeit oder gar Legalität, umso fantastischere Extraprofite im Untergrund und überall dort, wo die Herrschenden der japanischen Gesellschaft sich zwar selbst gerne aufhalten (als Ausbeutende), aber öffentliche Aufmerksamkeit oder gar Debatte fernhalten.

Einen aufschlussreichen Blick warf nun das erstklassige Format “Arte-Reportage” dorthin:

Japan: Toyoko Kids – ‘Toyoko Kids’ nennen sie in Japan die jungen Leute im berüchtigtsten Viertel des Landes, dem Kabukichō in Tokio. Sie sind die Outcasts der japanischen Gesellschaft, ausgerissen von zuhause oder rausgeworfen. Die Gründe sind vielfältig. Laut Behörden gibt es 300 ‘Toyoko Kids’, in Wirklichkeit aber sollen es Tausende sein.” 52 min. Verfügbar bis 18.10.

Japan hat eine eine zum Tannenbaum verwandelte “Bevölkerungspyramide”, die viele Ähnlichkeiten mit Deutschland hat, nach unten, bei den ganz Jungen, aber noch spitzer zuläuft. Die Jugend wird seltener, also wertvoller – und die vergreisenden Herrschenden der Gesellschaft ignorieren es nach Kräften. Die rassistische Einwanderungsphobie ist noch ausgeprägter, wenngleich das deutschgeführte Europa hier emsig aufzuholen trachtet. Beide werfen sich damit weit zurück, und die hier empfohlene Reportage macht das sicht- und fühlbar.

Gemacht haben das Arthur Rayssiguier und Pierre Chabert. Sie zeigen dem ARD-Weltspiegel mal, wie aufklärerische Reportagen in die unbeachteten Räume widersprüchlicher Gesellschaften möglich sind. Schauen Sie sich auch das informative Studiogespräch mit den Filmemachern an.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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